Gefahren - eine Auswahl...

 

1. Wachsmotten

 

Die Hummelwachsmotte (Aphomia sociella) gehören zu den gefährlichsten Feinden unserer Hummeln. Neben ihr gibt es auch noch die Große und die Kleine Wachsmotte (Galleria mellonella und Achroia grisella), die gelegentlich auch in Hummelnestern angetroffen werden. Die begatteten Weibchen "schleichen" sich nachts unbemerkt in ein Hummelnest und legen eine Vielzahl von Eiern. Aus diesen bis zu 500 gelegten Eiern schlüpfen kurze Zeit später die Larven. Der gesamte Hummelbau samt Wachs, Eiern und Hummellarven wird von den Larven der Wachsmotte Stück für Stück aufgefressen. Erkennbar ist ein Befall oft an einem dichten Gespinst im Bereich von befallenen Waben, unter welchem sich die Mottenlarven bewegen, ohne von den Hummeln angreifbar zu sein. Ein von Wachsmotten befallenes Nest geht innerhalb weniger Wochen zugrunde.

 

Jedoch wird häufig beobachtet, dass sehr starke Völker nicht oder nur geringfügig betroffen sind. Anscheinend ist ein gesundes und kräftiges Volk in der Lage, Wachsmottenweibchen am Eindringen in das Nest zu hindern. Meist werden solche Nester erst während der Absterbephase im Herbst befallen, weil zu diesem Zeitpunkt die Organisation des Volkes zusammenbricht. Schwache oder kranke Kolonien werden dagegen häufig befallen und vernichtet.

 

  

links: Larven der Hummelwachsmotte, rechts: befallene Brutwaben bei der Dunklen Erdhummel, erkennbar ist hier das typische Gespinst

 

2. Ameisen

 

Ameisen werden durch die prallgefüllten Honigtöpfe angelockt. Gesunde Völker sind jedoch meist in der Lage, sich gegen diese ungebetenen Besucher zur Wehr zu setzen. Die Ameisen werden dabei von den Hummeln totgebissen. Bei Nestgründungen kann aber das Auftreten zahlreicher Ameisen die Königin zur Aufgabe ihrer Brutwaben bewegen.

 

Ameisen können zum Problem werden - insbesondere bei schwachen Völkern oder wenn noch keine Hummelarbeiterinnen geschlüpft sind...

 

3. Kuckucks- bzw. Schmarotzerhummeln

 

Es gibt in Deutschland insgesamt 10 Arten von Kuckuckshummeln, wobei alle bestimmte Wirtsarten bevorzugen (z.B. Felsenkuckuckshummel - Psithyrus rupestris schmarotzt bei der Steinhummel und Psithyrus bohemicus bei der Hellen Erdhummel). Kuckuckshummeln zeichnen sich durch das Fehlen der Sammeleinrichtungen am hinteren Beinpaar sowie der Wachsdrüsen aus. Sie erwachen meist einige Wochen später aus der Winterpause als ihre Wirte. Nach einer Stärkung durch Blütennektar suchen sie nach neu entstandenen Hummelkolonien, die einen bestimmten Entwicklungsgrad erreicht haben. Dabei sind für diese Weibchen meist solche Kolonien sehr interessant, bei welchen die erste oder zweite Generation von Arbeiterrinnen bereits vorhanden ist. Wenn sie ein geeignetes Nest entdeckt haben, dringen sie in dieses ein und versuchen, den Nestgeruch anzunehmen. Daraufhin töten sie die eigentliche Hummelkönigin und übernehmen das Volk. Hat eine Kuckuckshummel erfolgreich ein Nest übernommen, so legt diese Eier, welche - wie auch die späteren Larven - von den Arbeiterinnen des Wirtsvolkes gepflegt werden. Da jedoch bald darauf durch das Fehlen der echten Königin keine Arbeiterinnen mehr schlüpfen, stirbt auch hier das Nest nach und nach ab. Eine Nestübernahme durch eine Kuckuckshummel gelingt jedoch nicht immer. Manchmal werden sie auch von den vorhandenen Arbeiterinnen überwältigt und getötet. Ein Beispiel einer dokumentierten Okkupation der Kuckuckshummel Psithyrus rupestris bei einer Steinhummelkolonie ist im Tagebuch 2007 detailliert dargestellt.

 

Achtung: Auch Schmarotzerhummeln sind seltene Tiere und damit geschützt. Das Töten von Kuckuckshummeln zum Schutz anderer Hummelvölker wäre falsch verstandener Naturschutz!

 

 

links: Felsenkuckuckshummel (Psithyrus rupestris) - die Kuckuckshummel der Steinhummel; rechts: Schmarotzerhummel der Hellen Erdhummel (Psithyrus bohemicus)

 

Psithyrus rupestris in einem Steinhummelvolk (Bildmitte) - es ist bereits Kuckucksbrut vorhanden

 

junges Weibchen von Psithyrus rupestris - geschlüpft in einem okkupierten Steinhummelvolk

 

4. Milben

 

Die meisten Milbenarten sind ein normaler Bestandteil eines Hummelnestes und unterstützen sogar die Nesthygiene. Einige Milben überwintern auch stets an Jungköniginnen und gelangen auf diese Weise im Folgejahr wieder in ein Hummelnest. Dabei lassen sie sich meist hinter der Flügelmuskulatur und zwischen Hinterleib und Körper (Thorax) von Jungköniginnen nieder. Ein großer Befall einer Jungkönigin durch Milben kann jedoch problematisch sein. Einige Arten sind auch schädlich, denn sie bohren sich durch den Chitinpanzer des Insekts und können es dabei schwächen. Starker Befall eines Nestes durch Milben kann auch ein Volk erheblich schwächen. Allerdings ist das eher nur dann der Fall, wenn ohnehin etwas mit dem Nest nicht stimmt - beispielsweise bei massivem Wachsmottenbefall oder wenn das Nest ohnehin natürlicherweise abstirbt.

 

5. Spinnenameisen

 

Unter den Spinnenameisenarten wird besonders die Große Spinnenameise (Mutilla europaea) auch Hummeln gefährlich. Dieser Parasit wird aber nur recht selten in Hummelnestern nachgewiesen, da sein Vorkommen selbst als gefährdet gilt. Die Weibchen sind im Gegensatz zu den Männchen flügellos. Ein befruchtetes Weibchen dringt im Hochsommer in Hummelkolonien ein und legt Eier. Die schlüpfenden Larven leben parasitisch von Hummellarven und fressen diese langsam auf. In seltenen Fällen kann es zu einem Massenauftreten dieser Art in Hummelnestern kommen, an dessen Folgen eine Hummelkolonie auch zugrunde gehen kann. Zudem ist bei Spinnenameisen auch besondere Vorsicht geboten: Sie sind in der Lage, äußerst schmerzhafte Stiche auszuteilen.

 

 

links: Große Spinnenameise; links: Große Spinnenameise in einem Baumhummelnest (roter Pfeil)


6. Fliegen

 

Fliegen kommen in jedem Hummelnest vor. Die meisten Arten sind harmlos und die Maden ernähren sich von Abfällen im Nest. Eine Ausnahme ist jedoch die Fleischfliege Brachicoma devia. Die begatteten Weibchen dieser Art versuchen im Sommer in Nester diverser Hummelarten einzudringen. Besonders gefährdet sind Erdhummeln, insbesondere die Kryptarum-Erdhummel, und Ackerhummeln. Die Weibchen legen keine Eier, sondern lebende Maden an die Larven im Hummelnest, welche kurz vor der Verpuppung stehen. Sobald sich die Hummellarve verpuppt haben, fressen die Fliegenmaden die Hummellarve auf. Danach fressen sie sich durch den Kokon und verpuppen sich im Nestmaterial, bevor sie im kommenden Jahr schlüpfen. Dabei werden teils auch mehrere Maden an einer Hummellarve platziert. Insbesondere Königinnenlarven und Brutwaben von Drohnen sind gefährdet und ein Befall kann zu einem massiven Brutverlust führen. Gerade bei der Kryptarum-Erdhummel wurden mehrfach Brutverluste von bis zu 50% (bezogen auf die Jungköniginnenbrut, siehe Tagebuch 2010 und 2011) beobachtet. Die Fliegen agieren dabei blitzschnell und können auch Wächterinnen überlisten.

 

    

links: Weibchen von Brachicoma devia; mitte: Maden von Brachicoma devia in Königinnenkokons von Erdhummeln; rechts: Puppen

 

Larven und Puppen von Brachicoma devia in unterschiedlichen Stadien...

 

Weitere Probleme bereiten Dickkopffliegen der Gattung Conops oder Sicus. Die Weibchen legen dabei im Flug Eier zwischen die Hinterleibssegmente von sammelnden Hummeln. Schlüpfen diese, so entwickeln sie sich im Hinterleib und fressen den Wirt von Innen heraus auf. Anfangs werden keine lebenswichtigen Organe geschädigt, sodass die befallenen Hummeln noch einige Zeit lang leben bevor sie sterben. Auch wenn teils mehrere Eier pro Hummel abgelegt werden, so kommt am Ende immer nur eine Fliegenmade zur vollständigen Entwicklung. Die Made verpuppt sich noch im Hinterleib ihres Wirtes und überwintert dort. Teils kann der Befall von Hummeln durch diese Fliegen sehr stark sein, sodass ganze Nester zusammenbrechen (siehe auch Tagebuch 2008). Gerade Steinhummeln scheinen sehr stark betroffen zu sein.

 

  

links: Larve von einer Dickkopffliege im Hinterleib einer Steinhummelarbeiterin; rechts: Dickkopffliegen-Puppe im Hinterleib einer Steinhummelarbeiterin

 

7. Viren

 

Einige Viren können Hummeln ebenfalls stark zusetzen. Darunter ist beispielsweise das DWV - das Deforming Wing Virus. Dieses ist vielfach aus der Imkerei beim Umgang mit Bienen bekannt. Durch zunehmenden Varroa-Befall in den Bienenvölkern werden das DWV wie auch weitere Viren viel stärker auf die Bienen übertragen als früher. Der Virustiter in einer Biene kann dabei sehr hoch sein, was teils zu Missbildungen der Flügel und weiteren körperlichen Auffälligkeiten führt. Weniger betroffene Bienen können den Virus aber auch auf andere Insekten bei ihren Sammeltouren übertragen, wobei der genaue Übertragungsweg noch recht unbekannt ist. Wahrscheinlich wird durch Bienenkot der Pollen in einigen Pflanzen infiziert, der dann von anderen Insekten gesammelt wird. Gerade im Sommer können auch Hummeln infizierten Pollen eintragen und damit ihre Brut infizieren. Scheinbar sind bei Hummeln weniger Viren notwenig, um körperliche Fehlbildungen zu erzeugen. Folglich kann eine solche Virusinfektion nachhaltig fast alle Larven eines Nestes infizieren, wodurch fast nur noch flugunfähige Tiere ohne entwickelte Flügel schlüpfen. In der Folge sterben diese dann ab. Insbesondere die Jungköniginnenbrut scheint betroffen zu sein, während Drohnen seltener solche Schäden zeigen. Ein solcher Befall kann alle Anstrengungen eines Volkes, Jungköniginnen zu erzeugen, zunichte machen. Inwieweit bereits erwachsene Tiere infiziert werden können und welche Auswirkungen das hat - gerade bei Königinnen, die dann selber Eier legen - ist noch nicht näher bekannt.

 

Baumhummeljungköniginnen mit DWV-Symptomen aus einem stark betroffenen Volk - die Flügel sind stark missgebildet oder fehlen

 

Nochmal Nahansicht einiger infizierter Tiere...

 

8. Einzeller und Fadenwürmer

 

Einzeller der Gattung Nosema befallen den Darm erwachsener Hummeln und führen oft zum Tod der Tiere (sogenannte Nesomatose). Ganze Völker können betroffen sein. Auch der Honigbienenparasit Nosema apis kann ebenfalls Hummeln befallen, weshalb man auf eine Zufütterung mit Bienenhonig verzichten sollte.

 

Der Fadenwurm Sphaerularia bombis befällt überwinternde Jungköniginnen in ihren Winterquartieren. Dabei dringt er in den Hinterleib der Hummel ein. Sobald die Königin aus ihrer Winterpause erwacht, produziert der Parasit massenhaft Eier, sodass dieser um das 20-fache anschwillt. Die Nachkommen schlüpfen noch in der Königin. Befallene Königinnen gründen keine Nester und haben - wohl bedingt durch den Parasiten - die Angewohnheit, sich an bestimmten Stellen in der Erde eingraben zu wollen. Dabei handelt es sich meist um bevorzugte Winterquartiere von Hummelköniginnen. Dort verlassen die Parasiten die Hummelkönigin und verpaaren sich. Die Königin stirbt meistens kurz darauf. Nachfolgend breiten sich die Fadenwürmer in der unmittelbaren Umgebung aus und warten auf neue Jungköniginnen, die dort überwintern wollen.

 

9. Vögel und weitere Tiere

 

Auch Vögel, u.a. Meisen, stellen Hummeln nach. Gerade auch Hummelköniginnen scheinen hier gefährdet zu sein. Ebenso können sich Gartentrotschwanz und Eichelhäher als Hummeljäger spezialisieren und gezielt Hummeln erbeuten. Nester fallen dagegen häufiger einem Igel, Maulwürf, Fuchs, Dachs oder einem Marder zum Opfer, wenn diese nicht tief genug angelegt wurden. Im Schutze der Nacht graben die Tiere die Nester aus und fressen die proteinreiche Brut und süßen Nahrungsvorräte. Neben Vögeln und Säugetieren stellen auch andere Raubinsekten, wie Hornissen oder Spinnen, den Hummeln nach.

 

10. Mensch

 

Der Mensch stellt jedoch die größte Gefahr für unsere Hummelpopulation dar. Dem zunehmenden Straßenverkehr fallen immer mehr Hummeln zum Opfer, vor allem aber die Königinnen im Frühjahr. Schwer bepackt mit Pollen oder Nektar fliegen sie dicht über den Boden und auch dicht über die Straßen. Nur zu oft stirbt eine solche Hummel und somit ein ganzes Volk an der Frontscheibe eines Autos. Eine andere Gefahr stellen die chemischen Bekämpfungsmittel, z.Bsp. gegen Ameisen oder Blattläuse, und Pestizide sowie Insektizide in der Landwirtschaft dar. Sie schädigen oft auch Hummeln und andere Insekten, welche derart behandelte Blüten besuchen. Auch aus Angst vor Stichen werden immer noch Nester in Gärten und in Hausnähe vernichtet. Weiterhin wird den Hummeln durch das frühzeitige und gleichzeitige Mähen der Wiesen und Felder oft die Nahrungsgrundlage genommen, was zu Trachtlücken führen kann. Diese können teils zum Zusammenbruch von Kolonien führen!


 

Schutz

 

1. Bieten von Nistmöglichkeiten

 

Hummelköniginnen, welche im Frühjahr über Weiden und Wiesen fliegen, sind auf der Suche nach einer Nistmöglichkeit. Aufgrund immer intensiverer Landwirtschaft sind sinnvolle und sichere Niststandorte teils limitiert. Deshalb kann man den Hummeln helfen, indem man ihnen eine Nistmöglichkeit zur Verfügung stellt. Es gibt fertige Nistkästen zu kaufen, aber man kann auch selber einen anfertigen. Dazu wird aus Holz ein etwa 40 cm x 40 cm x 35 cm großer Holzkasten gebaut. Der Deckel des Kastens muss dabei abnehmbar sein und sollte gut abschließen. Ohnehin sollten keine Spalten und Lücke vorhanden sein, welche das Eindringen von Schädlingen erlauben. Kleinere, gut abgeschicherte Luftlöcher können sinnvoll sein, allerdings ist auch hier darauf zu achten, dass keine Parasiten darüber in den Kasten gelangen können. Das Einflugloch befindet sich in einer der Seiten, um welches (zur Fütterung bei Nahrungslücken und zur besseren Wärmedämmung) ggf. ein Vorbau aufgesetzt wird. Innen wird eine Röhre, welche mit dem Eingang verbunden ist, eingesetzt. Weiterhin wird ein passender Karton in den noch leeren Hummelkasten gesetzt, wodurch später eine Verunreinigen der Nistkastenwände durch Kot gering gehalten werden kann. In den Karton hinein gehören Sägespäne als Untergrund und natürlich das Nistmaterial. Dafür eignen sich besonders unbehandelte Polsterwolle oder auch trockenes Moos. Beim anschließenden Aufstellen des Kasten ist nur wichtig: Der Hummelkasten darf ab Mittag nie in der prallen Sonne stehen, weil dadurch eine Überhitzung der Kolonie vorprogrammiert ist und das ganze Volk zugrunde gehen kann! Ein wenig Morgensonne bis etwa 9 Uhr ist dagegen sogar begünstigend.

 

 

links: Hummelnistkästen in einem überdachten Hummelstand - rechts. Blick in einen Nistkasten, im Karton befindet sich der eigentliche Nistraum mit zerzupfter Polsterwolle auf Sägespänen, die Laufröhre ist hier nicht zu sehen und befindet sich in/unter der Wolle

 

Das Besiedeln kann man getrost den Hummeln selbst überlassen - oder man setzt gezielt eine ein. Da Hummeln unter Naturschutz stehen, ist für die Ansiedlung von Hummelköniginnen jedoch unbedingt das nötige Fachwissen und eine Sondergenehmigung von der unteren Naturschutzbehörde notwendig! Zur aktiven Ansiedlung fängt man im Frühjahr eine auf Nestsuche befindliche Hummelkönigin vorsichtig mit einem Pappröhrchen, welches auf einer Seite mit lichtdurchlässiger Folie bestückt ist, ein. Dabei dürfen nur die am Boden deutlich nach Nestern suchenden Königinnen gefangen werden und keinesfalls Hummelköniginnen, die an Blüten nach Nahrung suchen! Diese können bereits eigene Nester bezogen haben. Und selbst wenn das nicht der Fall ist, so würden diese Tiere - da sie nicht in Suchstimmung sind - ohnehin keine Nistgelegenheiten annehmen. Das Einfangen einer geeigneten Königin geht am Besten, wenn die Königin gerade ein Mäuseloch untersucht und hineinkrabbelt. Die Röhre wird in das Loch gesteckt und die Hummel krabbelt beim Herauskommen in die Röhre. Befindet sich die Hummelkönigin im Röhrchen, krabbelt sie dem Licht entgegen. Dabei wird das offene untere Stück zugehalten, später auch die Seite mit der Folie, damit die Königin ruhig bleibt. Daraufhin wird sie vorsichtig in den vorbereiteten Kasten bugsiert, wobei man sie direkt über den Kasteneingang in den Nistkasten laufen lässt. Man kann, wenn man sich traut, die Königin auch mit der Hand fangen und vorsichtig einsetzen. Der Vorteil: die Körperwärme beruhigt das Tier zusätzlich und der Ansiedlungserfolg ist besser. Allerdings kann man auch mal gestochen werden, wenn man die Königin nicht gut erwischt. Wichtig ist immer: Die Königin darf nicht verletzt werden! Der Zeitraum vom Einfangen bis zum Einsetzen der Hummel darf weiterhin nur wenige Minuten betragen, da die Tiere sonst panisch werden und keinen Nistplatz mehr annehmen. Zudem darf die Stelle, wo die Königin eingefangen wurde, nicht weiter als wenige hundert Meter vom Nistkasten entfernt liegen!

 

Sobald die Königin das Innere des Kastens aufgesucht hat, sollte man für etwa eine Minute etwas Moos vor den Eingang legen, damit die Hummel durch das Licht nicht gleich wieder herausgelockt wird. Dann beginnt das gespannte Warten. Kommt die Hummel gleich wieder aus dem Kasten heraus und fliegt davon, hat ihr der Kasten nicht gefallen. Dauert es aber länger und fliegt dann die Königin in Halbkreisbewegungen vor dem Kasten hin und her, hat man es möglicherweise geschafft. Allerdings bestätigt erst die neuerliche Rückkehr der Königin zum Nistkasten, dass sie den Kasten wirklich angenommen hat. Das kann allerdings manchmal ein paar Tage dauern. Daher sollte man nicht gleich eine neue Königin einsetzen, wenn die vorherige Kandidatin bis zum Abend noch nicht zurückgekehrt ist. Das kann - wenn beide Königinnen dann zurückkehren - zu Stechereien führen.

 

Hat man im Vorjahr bereits einmal ein Hummelvolk gehabt, so kommt es oft vor, dass Jungköniginnen aus diesem Nest im kommenden Frühjahr wieder zurückkehren. Dann besiedeln diese Königinnen oft zuverlässig im Bereich des alten Nistplatzes aufgestellte Nistkästen. Etwas aufpassen muss man jedoch auch hier, da manchmal mehrere Jungköniginnen einen Nistkasten besiedeln wollen und es zu Stechereien kommen kann. Man sollte also ein Auge auf die Nistkästen haben und notfalls weitere zurückkehrende Königinnen abfangen und in andere Kästen setzen.

 

Hat man es geschafft und ein Hummelvolk entwickelt sich in einem der Nistkästen, so ist es ist sinnvoll, regelmäßige Nestkontrollen durchzuführen. Das ist wichtig, da die Nester oft von verschiedenen Parasiten heimgesucht werden - insbesondere von Wachsmotten. Erkennt man einen Befall frühzeitig, kann man das Nest oft noch retten (falls es zum "Wie?" Fragen gibt, dann gerne eine Mail an mich). Bleibt der Befall dagegen unbemerkt, kann das Volk binnen weniger Wochen zu Grunde gehen. Zu beachten ist aber wieder: Für das Öffnen der Nester zu Kontrollzwecken ist wieder eine Sondergenehmiging bei der Naturschutzbehörde notwendig. Detaillierte Aufzeichnungen zur Ansiedlung und Haltung von verschiedenen Hummelvölkern - ausgestaltet mit zahlreichen Bildern - gibt es in den Tagebüchern zu finden. Es lohnt sich, dort mal reinzuschauen.

 

Hummelnistkasten mit Nest - Nestkontrollen sind ratsam, um Parasitenbefall rasch zu erkennen...

 

Nochmal der Hinweis: Für das aktive Ansiedeln von Hummeln sowie auch für das Öffnen der Nester zu Kontrollzwecken ist eine Sondergenehmigung bei der unteren Naturschutzbehörde erforderlich! Hummelköniginnen dürfen zum Zwecke der Ansiedlung auch keinefalls eingesperrt oder verletzt werden!

 

2. Nahrungsgrundlage liefern

 

Man kann Hummeln aber auch anders helfen. Aufgrund der hohen Bewirtschaftung der Felder werden Hummeln oft in Nahrungsengpässe getrieben. Sie können also keine Nektar- und Pollenpflanzen finden, um sich und ihren Staat zu ernähren. Deshalb kann man ihnen solche Pflanzen im Garten anbieten, welche auch gerne angenommen werden. Solche Pflanzen sind zum Beispiel: Wolliger Ziest, Löwenmaul, Lungenkraut, Lupine, Fingerhut, Marienglockenblume, Rittersporn, Herzgespann, Salbei, Sommerflieder, Primel, Eisenhut, Akelei, Mohnarten, Melisse, Schwertlilie, Gartenbeinwell, Bechermalven, Rhododendron, Schlüsselblume, Rosen, Phacelia, Cotoneaster, usw. Zudem sollte auf Pflanzenschutzmittel aller Art stets verzichtet werden!

 

 

links: natürliche, wilde Wiesen stellen für Hummeln eine riesige Nektarquelle dar - ganz im Gegensatz zu dem in vielen Gärten und Parks weit verbreiteten "englischen Rasen"; rechts: Steinhummeljungkönigin am Herzgespann

 

Massentracht für Hummeln: Raps und Löwenzahn in voller Blüte - solange keine Pflanzenschutzmittel beim Raps eingesetzt werden ist das eine wichtige Trachtquelle für alles, was summt und brummt (siehe auch Bilderbericht dazu)

 

3. Toleranz

 

Ein weiterer Punkt, unter denen Hummeln oft leiden, ist die fehlende Toleranz gegenüber den friedlichen Brummern. Viele Menschen verfallen in Hysterie, wenn sie in ihrem Umkreis das Nest irgendeiner staatbildenden Insektenart finden. Bekämpfungsmaßnahmen sind dann meist die Folge. Dabei wissen die wenigsten, dass ein Hummelnest nur ein Jahr lang existiert und wie interessant und komplex sich die Entwicklung einer Kolonie gestaltet. Die meisten Hummelarten sind weiterhin ausgesprochen friedlich und stören auch im direkten Nestumfeld niemanden. Jedoch sollte für die "aktive" Zeit die Gartenpflege in unmittelbarer Nähe des Nestes gering gehalten werden, um die Tiere nicht zu verwirren.

 

 

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