Gefahren - eine kleine Auswahl...

1. Mensch

Die größte Bedrohung ist der Mensch. Aus Angst vor Stichen dieser gelb-schwarzen Insekten werden immer wieder Nester zerstört und Tiere getötet. Davon sind besonders die freinistenden Arten betroffen, welche ihre Nester sichtbar in Bäumen, Sträuchern, an Felsen und auf Dachböden anlegen. Betroffen ist vor allem die Mittlere Wespe (Dolchovespula media), denn ihr Bestand hat sich in den letzten Jahren stark reduziert. Betroffen ist jedoch auch die Sächsische Wespe (Dolchovespula saxonica), welche ja eigentlich zum Haustier des Menschen geworden ist. Diese Art findet man häufig auf Dachböden und sie nistet dort für jedermann sichtbar. Trotz ihrer Friedfertigkeit werden ihre Nester jedoch meist aus Unkenntnis vernichtet. Im Gedächtnis der Menschen bleiben dabei die Wespenplagen, welche alle paar Jahre auftreten. Um diese zu unterbinden, vernichten viele Menschen meist die sichtbaren Nester und versuchen so, den Wespenplagen "Herr" zu werden. Doch trifft es dabei genau die Falschen. Nur 2 der heimischen 8 Arten sind dem Menschen durch Anfliegen von Süßigkeiten wirklich lästig, die Deutsche- (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris). Diese nisten jedoch versteckt in unterirdischen oder in verwinkelten oberirdischen Hohlräumen und werden eher übersehen. Aber auch diese Arten sind sehr wichtig, da sie durch ihre hohen Volksstärken (bis 10000 Individuen, selten mehr) zählreiche andere lästige Insekten fangen. Wespen sind also sehr nützliche Tiere und sie sind, egal um welche Art es sich handelt, zu schützen. Vernichtungsmaßnahmen sollten sich auf absolute Ausnahmefälle beschränken und nicht das lukrative Zubrot einiger Schädlingsbekämpfer in den Sommermonaten sein.

 

  

links: Nest der Mittleren Wespe an einem Schild; rechts: Nest der Sächsischen Wespe an einem Grillrost - gerade diese Arten werden nicht selten aus Unkenntnis vernichtet...

 

2. Wachsmotte

Wachsmotten wurden bereits bei den Hummeln näher beschrieben (siehe hier). In Ausnahmefällen befallen die Raupen dieser Falter aber auch Wespenvölker. Insbesondere die Hummelwachsmotte (Aphomia sociella) spielt dabei eine Rolle. Auch hierzu dringt ein Weibchen in ein Wespennest ein und legt nach Annahme des Nestgeruches einige Eier. Aus diesen Eiern schlüpfen wiederum Larven, welche sich von der Wespenbrut ernähren und sich noch im Nest verpuppen. Auch hier kann der Befall durch die Wachsmotte an verwobenen Nestteilen erkannt werden. Ebenfalls stirbt hier nicht selten das Volk, welches durch diese Parasiten zu stark geschwächt wird, ab.         

 

3. Kuckucks- bzw. Schmarotzerwespen

Wie bei den Hummel gibt es auch unter den Wespen Schmarotzer, welche erst einige Wochen nach ihren Wirten erwachen. Sie dringen meist im Juni in ein bewohntes Nest ihrer Wirtsart ein, töten nach einiger Zeit die Königin und übernehmen den Staat. Dabei belegt sie insbesondere die Großzellen des Nestes mit ihren Eiern, aus welchen nur Weibchen und Männchen schlüpfen. Arbeiterinnen gibt es also nicht, weshalb die Kuckuckswespen auf die Arbeiterinnen ihrer Wirte angewiesen sind. Die befallenen Nester bleiben wegen des fehlenden Nachwuchses an Arbeiterinnen meist nur recht klein. Eine häufige Art ist die Falsche Kuckuckswespe (Dolichovespula adulterina), welche bei der Sächsischen Wespe (Dolichovespula saxonica) okkupiert. Ferner gibt es noch die Waldkuckuckswespe (Dolichovespula omissa), welche bei der Waldwespe (Dolichovespula sylvestris) eindringt, und Vespula austriaca, welche bei der Roten Wespe (Vespula rufa) als Kuckuckswespe auftritt. Bei Feldwespen übernimmt Sulcopolistes atrimandibularis Nester von Polistes biglumis.

 

Gerade Dolichovespula adulterina und Dolichovespula omissa ähneln sehr ihren Wirten und sind nicht immer sicher zu unterscheiden. Oft gibt es nur sehr geringe Unterschiede auf dem Kopfschild und bei der Thoraxzeichnung (einige Erkennungsmerkmale für Dolichovespula adulterina sind unten angegeben). Im Gegensatz zu den Königinnen ihrer Wirte haben sie einen gebogenen Stachel - nur den sieht man halt nicht bei einem lebenden Exemplar. Während der Stich der Dolichovespula adulterina wenig schmerzhaft ist, soll ein Stich von Dolichovespula omissa übrigens als sehr unangenehm empfunden werden. Nur wenige Details zum genauen Hergang der Okkupation sind bisher bekannt und sie existieren vor allem noch für Dolichovespula adulterina. Da die Weibchen gemäß der Literatur erst beim Auftreten von mehreren Arbeiterinnen in die Nester eindringen, sind sie hier Attacken durch die Nestbewohner ausgesetzt. Es wurde von anderen Autoren beobachtet, dass sich Dolichovespula adulterina dabei recht regungslos verhält und die Attacken über sich ergehen lässt. Ein dicker Chitinpanzer hilft ihr dabei. Anschließend lassen die Arbeiterinnen ab, wobei von einem Beschwichtigungspheromon ausgegangen wird, welches die Kuckuckswespe abgibt. Anschließend wird teilweise sogar von einer koexistenziellen Phase von Kuckuck und Wirtskönigin geschrieben. Ist dann genug Arbeiterinnenbrut vorhanden, so wird die Königin von der Kuckuckswespe getötet. Anschließend legt die Kuckuckswespe ihre eigenen Eier.

 

Hier nun aber noch einige eigene Beobachtungen, welche teilweise den Beschreibungen in der Literatur etwas entgegenstehen. So konnte ich bereits eine sehr frühe Nestübernahme durch Dolichovespula adulterina beobachten, als gerade mal 3 Arbeiterinnen vorhanden waren und von denen zwei gerade erst geschlüpft waren. Folglich gab es hier durch die Arbeiterinnen keine wirkliche Gegenwehr. Das derart früh bereits Übernahmen möglich sind, ist bisher nicht diskutiert worden und man ging eher davon aus, dass die Nester bereits etwas weiter sein müssen. Auch gab es in diesem Fall keine Koexistenz neben der Königin der Sächsischen Wespe. Diese wurde sofort durch die Kuckuckswespe getötet. Eine spannende Beobachtung war allerdings auch, dass die Kuckuckswespe die Rolle der Königin auch bei der Nahrungsversorgung übernommen hatte und Beute für die Brut heranschaffte. Erst mit dem Schlupf weiterer Arbeiterinnen reduzierte diese ihre Ausflüge, bis sie gänzlich im Nest blieb. Das Weibchen von Dolichovespula adulterina war weiterhin bei meinen Kontrollen am Nest anfangs oft sehr viel aufgebrachter als die ursprüngliche Königin und krabbelte dann oft flügelschlagend über die äußere Nesthülle. Im Übrigen konnte ich ebenfalls beobachten, dass auch zwischen Artgenossen Übernahmeversuche an bereits durch die Kuckuckswespe übernommenen Nestern stattfinden. Allein das beobachtete Nest bekam insgesamt zwei mal weiteren Besuch durch eine Artgenossin nach der initialen Übernahme.

 

Nachfolgend auch einige Bilder und Erkennungsmerkmale von Dolichovespula adulterina. Im Gegensatz zur Sächsischen Wespe ist die Kopfzeichnung eher punktförmig statt kronenartig (wobei das allein noch kein ganz sicheres Kriterium ist). Weiterhin ist die Zeichung auf dem Thorax nahe des Kopfes an den Seiten hakenförmig verlängert (manchmal sehr deutlich), was bei der Sächsischen Wespe normalerweise nicht der Fall ist. Beide Kriterien zusammen kann man schon als ein recht deutliches Kennzeichen für eine Dolichovespula adulterina werten. Weiterhin ist - wie oben bereits angesprochen - als eindeutiges, aber oft schwer erkennbares Merkmal (zumindest solange das Tier lebt) der gekrümmte Stachel bei der Kuckuckswespe zu nennen. Zudem erscheint dieser kürzer als bei der Königin der Sächsischen Wespe. Vom Verhalten her reagieren die Weibchen von Dolichovespula adulterina oft hektischer und unruhiger als die Königinnen der Sächsischen Wespe. Auch die Puppen lassen sich im Übrigen unterscheiden. Bei der Sächsischen Wespe sind die verdeckelten Zellen recht einheitlich weiß, bei der Kuckuckswespe eher marmoriert.

 

 

Weibchen von Dolichovespula adulterina: erkennbar ist der typische rundliche Punkt auf dem Kopfschild und die hakenförmige Zeichnung auf dem Thorax (siehe Pfeile) - beides zusammen macht eine Dolichovespula adulterina sehr wahrscheinlich...

 

Alleinstehend schon ein sicheres Merkmal für Dolichovespula adulterina und Kuckuckswespen: der gekrümmte Stachel - bei "normalen" Wespen ist er gerade...

 

4. Vögel und weitere Tiere

Ein Raubvogel hat sich auf die Erbeutung von Wespen und Hornissen spezialisiert - der Wespenbussard. Er selbst ernährt sich hauptsächlich von den Insekten, für seine Brut erbeutet er jedoch auch die eiweißreichen Larven dieser Hautflügler. Dazu gräbt er Erdnester aus oder plündert freihängende Nester und bringt die Waben mit den Larven zu seinen Jungen, um diese zu füttern. Weiterhin gibt es auch andere Vogelarten, welche Wespen erbeuten können - wie Eichelhäher oder gelegentlich Meisen. Erdnester fallen dagegen häufig auch einem Fuchs, Dachs oder einem Marder zum Opfer, wenn diese nicht tief genug angelegt wurden. Im Schutze der Nacht graben die Tiere die Nester aus und fressen die proteinreiche Brut. Das Fell schützt dabei vor den Stichen der Wespen. Lediglich die Nasenspitze ist und bleibt empfindlich. Neben Vögeln und Säugetieren stellen auch andere Raubinsekten, wie Hornissen oder Spinnen, den Wespen nach.

 

 

Schutz

 

Der wohl wichtigste Aspekt des Wespenschutzes ist die Schaffung einer respektablen Toleranz des Menschen gegenüber dieser Insektengruppe. Häufig werden grundlos Nester auf Dachböden und in Scheunen zerstört. Darunter leidet - wie oben angesprochen - besonders die Sächsische Wespe, aber auch die lichtliebende Mittlere Wespe, welche häufig frei im Gebüsch und in Bäumen ihr Nest errichtet und somit auch in Kontakt mit dem Menschen kommt. Hier sollte zuerst angesetzt und aufgeklärt werden. Weiterhin können störende Wespennester auch oft umgesiedelt werden. Solange dies möglich ist, sollte eine Umsiedlung auch immer vor einer Abtötung präferiert werden.

 

Gerade die freinistenden Arten - hier die Mittlere Wespe - leiden oft unter der grundlosen Vernichtung ihrer exponierten und oft gut sichtbaren Nester. Dabei hilft hier meist schon gutes Zureden. Oft lassen sich "Betroffene" sogar davon überzeugen, solche Nester für die restliche Saison am alten Standort zu belassen. Notfalls gibt es oft auch die Möglichkeit einer Umsiedlung...

 

Für den schlechten Ruf der Wespen sind vor allem die Deutsche- und Gemeine Wespe verantwortlich. Diese naschhaften Arten werden vom Menschen als lästig empfunden. Durch Naschhaftigkeit kommt es bei diesen Arten auch häufiger zu stichhaltigen Kollisionen mit dem Menschen (z.Bsp. bei unachtsamen Trinken aus Dosen, wobei die Wespe im Mund zustechen kann, was sehr gefährlich ist). Aber auch diese Arten sind sehr nützlich und schützenswert, da sie aufgrund ihrer hohen Volkstärken viele andere lästige Insekten vertilgen. Bessere Landwirtschaft mit dem Schaffen und dem Erhalt von natürlicher Wiesen kann auch bei diesen Arten das rege Interesse an unserem Essen reduzieren, denn der Grund für ihr lästiges Auftreten basiert meist nur darauf, dass die Tiere keine natürlichen Nahrungsquellen mehr finden und wahrnehmen können. Von diversen Fanggefäßen in Gärten, wo teils hunderte Wespen in kurzer Zeit sterben, sollte stets abgesehen werden, zumal auch andere nützliche Insekten darin landen können.

 

Wespen sind nicht so aggressiv wie ihr Ruf. Alle Arten lassen sich bei etwas Vorsicht sogar direkt am Nest beobachten. Nur Störungen werden mit Angriffen beantwortet. Außerhalb des Nestes verteidigen sich die Tiere nur, wenn man sie festhält oder quetscht. Wespen machen hier nur im Notfall von ihrem Stachel Gebrauch und versuchen im Zweifelsfall eher zu flüchten als zu stechen. Daher sollte man hier die alten "Märchen" von den ach so aggressiven Wespen in Frage stellen und aufgeschlossen gegenüber diesen Tieren sein. Gerade die Medien sind hier auch in der Pflicht, da sie Wespen oft als etwas Negatives darstellen und damit eine negative Meinungsbildung unterstützen. Das betrifft auch Berichte mancher Zeitungen zu plötzlichen Angriffen von Wespen - oft im Verbindung mit Kindern. Oft liest man, dass diese Attacken quasi aus heiterem Himmel erfolgten. Geht man den Fällen jedoch nach, so ist in nahezu jedem Fall auch eine grobe Störung am Nest vorausgegangen, was aber oft in der Berichterstattung vergessen wird. Man sollte hier also objektiver und fairer recherchieren!

 

Wespen sich weit weniger aggressiv als ihr Ruf und lassen sich bei etwas Vorsicht sogar auf die Hand nehmen...

 

 

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