Hummel-Tagebuch 2008

 

Erneut war der Winter nicht sonderlich kalt und schneereich. Schnee gab es vor allem Anfang Januar und im November des Vorjahres, aber sonst prägten eher Hochdrucklagen und Stürme mit milderer Witterung das Bild des Winters. Doch als es dann endlich Frühling werden sollte, zeigte der Winter nochmals all seine Facetten...

 

Mitte März 2008 war es zunächst recht frühlingshaft und mild, die Frühjahrsblüher wie Krokusse und Schneeglöckchen kamen rasch zur Blüte.

 

 

Blühende Krokusse

 

Am 18. März allerdings gab es den ersten von mehreren heftigen Wintereinbrüchen. Eine Troglage führte arktische Luftmassen heran, es gab Schneeschauer und Gewitter. Rasch bildete sich eine Schneedecke von > 10 cm aus, welche auch die nächsten Tage überdauerte. Auch am 25. März folgte nochmals ein solcher Kaltlufteinbruch.

 

Schnee und Schneeschauer

 

Erst zum Monatswechsel wurde es rasch milder - es wurde Zeit, die Hummelkästen aufzustellen...

 


1. April 2008: Nach den Schneefällen der vergangenen Tage ist es endlich milder geworden. Der Schnee war weitestgehend wieder getaut und es wurde Zeit, die Nistkästen vorzubereiten. Die selbstgebauten Nistkästen hatten dabei einen neuen Anstrich erhalten, um weitere Jahre gute Dienste zu leisten. Auch meinen umgerüsteten Hornissenkasten hatte ich wieder aufgestellt, in welchem 2 Königinnen Platz finden können. Die Eingänge habe ich möglichst kontrastreich gestaltet, um Selbstbesiedlungen zu fördern. Nach einer Besiedlung wird der Vorbau über Nacht geschlossen und der Eingang dadurch unscheinbar gemacht, um Okkupationen zu verhindern.

 

Aufgestellte Nistkästen: Nistkasten 1 (von der Firma Schwegler), Nistkasten 2 (Eigenbau), Nistkasten 3 (Eigenbau)

 

Der umgerüstete Hornissenkasten, er leistete bereits vorige Saison gute Dienste...

 


7. April 2008: Obwohl nun bereits die ersten Erdhummelköniginnen fliegen, sieht man kaum Exemplare auf Nestsuche. Grund ist sicherlich die teils wieder kühle Witterung. Gelegentlich fallen sogar einige Flocken.

 


11. April 2008: 2 Ansiedlungen! 2 Dunkle Erdhummelköniginnen (Bombus terrestris) haben sich heute für eine Besiedlung entschieden. Bei milden 17 °C wurden der Schweglerkasten (Nistkasten 1) und ein 2. selbstgebauter Nistkasten (Nistkasten 2) bezogen. Beide zeigten einen sehr intensiven Orientierungsflug und kehrten bald darauf zu ihrem auserwählten Nistplatz zurück. Mehrfach konnte ich anschließend weitere Aus- und Anflüge beider Königinnen beobachten.

 

 

Orientierungsflug von Erdhummel 1 (am Schweglerkasten, Nistkasten 1)

 

 

Orientierungsflug von Erdhummel 2 (Nistkasten 2)

 

 

Rückkehr der beiden Königinnen

 

Am Abend kehrte die Königin aus Nistkasten 1 "vollgetankt" mit Nektar zurück. Dabei konnte sie kaum noch fliegen, so schwer beladen war sie. Es dauerte etwas, bis sie es in den Nistkasten hinein schaffte. Zu dem Zeitpunkt dachte ich mir noch: "Warum sammeln die nur so wild Nektar?". Der Grund sollte sich einige Stunden später offenbaren. Vom späten Abend an bis noch spät in die Nacht hinein, gab es schwere Gewitter mit Wolkenbruch, Hagel, Blitz und Donner. Örtlich gab es erhebliche Überschwemmungen, aber das war noch nicht alles. Ein Temperatursturz von gut 10 °C führte dazu, dass es in der Nacht zu schneien begann. Bis zum Morgen bildete sich eine 3 cm dicke Neuschneedecke aus.

 

Schnee nach schwerem Gewitter

 

Etwas besorgt um meine Hummeln konnte ich glücklicherweise am Nachmittag feststellen, dass beide das kurze Winterintermezzo unbeschadet überstanden haben. Durch die "starke" Aprilsonne taute der Schnee bis zum Mittag fast vollständig ab...

 


18. April 2008: Kaltlufteinbruch und Ausfall! Leider lässt der späte Winter dieses Jahr einfach nicht locker. Die letzten Tage waren sehr kalt, teils mit Tageshöchstwerten von gerade mal 3 ° und Regen, teils Schneeregen. Dennoch konnte man die Erdhummel aus Kasten 1 (Schwegler) beim Ausflug beobachten. Von Hummelkönigin 2 war nichts zu sehen. Die Nächte waren teils klar und sehr kalt, Tiefstwerte um - 4 °C in 2 m Höhe und - 7 °C am Boden machten den Hummeln arg zu schaffen. Zwar fütterte ich zu, aber beide haben keine Nahrung angenommen. Einige der bereits blühenden Zierkirschen wurden durch den Frost geschädigt. Zwar war es heute bereits wieder wärmer, aber ich musste feststellen, dass Erdhummel 2 aus dem Nistkasten 2 verschollen war. Erdhummel 1 fliegt weiterhin immer mal wieder ein und aus, wenn auch recht selten. Polleneintrag konnte ich direkt noch nicht beobachten. Inwieweit daher eine Nestgründung bereits stattgefunden hat, kann nur spekuliert werden.

 


25. April 2008: Endlich mildes Frühlingswetter! Mit steigenden Temperaturen lassen sich mittlerweile auch immer mehr Hummelköniginnen blicken. Dennoch ist die Anzahl nestsuchender Königinnen recht begrenzt. Neben meiner Erdhummel im Schweglerkasten, welche intensiv Nektar und auch Pollen herbeischafft, hat sich eine Steinhummel in den letzten Tagen im umgerüsteten Hornissenkasten niedergelassen. Schon gestern konnte ich sie beim Eintrag von Pollen beobachten. Eine kleine vorsichtige Kontrolle bei der Erdhummel hatte gezeigt, dass bereits Larven vorhanden sind, die Nestgründung liegt also bereits eine Zeit lang zurück.

 

Einflug der Erdhummelkönigin in den Schweglerkasten (hier reiner Nektarflug)

 


26. April 2008: Ansiedlung einer weiteren Steinhummelkönigin! Neben der Steinhummelkönigin, welche im Hornissenkasten bereits ein Nest gegründet hat, hat eine weitere Steinhummel heute Nistkasten 2 angenommen und einen sehr schönen Orientierungsflug gezeigt. Nach einer guten halben Stunde kehrte sie bereits zurück zum Nistkasten.

 

Orientierungsflug der Steinhummel vor Nistkasten 2

 


28. April 2008: Wiesenhummel angesiedelt! Eine kleine Wiesenhummelkönigin konnte ich heute beobachten, wie sie immer wieder Interesse am bereits von einer Steinhummel belegten Hornissenkasten zeigte und ab und zu sogar hineinkroch. Behutsam fing ich sie beim Herauskrabbeln mit der hohlen Hand ein und setzte sie in Nistkasten 3. Nach etwa 7 minütiger Inspektion kam sie wieder heraus und zeigte einen intensiven Orientierungsflug. Bereits nach wenigen Minuten kehrte sie zu ihrem Nistkasten zurück. Zugleich scheint sie im Gegensatz zu den Stein- und Erdhummeln, welche hoch ab- und anfliegen, in unmittelbarer Nestnähe zu sammeln. Mehrfach konnte ich sie im Garten beobachten. Obwohl es dieses Jahr kaum Erdhummeln auf Nestsuche gab und gibt und ich Wiesenhummeln bis jetzt nur auf Sammelflügen beobachtet hatte, scheinen nun gerade Stein- und Ackerhummel sehr verbreitet auf Nestsuche zu gehen. Die Steinhummelkönigin aus Nistkasten 2 trug heute übrigens ebenfalls Pollen ein und eine Nestgründung ist damit bestätigt.

 

Orientierungsflug der Wiesenhummelkönigin (Nistkasten 3)

 

Wiesenhummel an Traubenhyazinthe

 


3. Mai 2008: Endlich beginnt die Kirschblüte! Auch einige Apfelbäume zeigen eine bereits große Blütenpracht. Auch alle Königinnen, welche meine Nistkästen bewohnen, nutzen diese neuen Trachtquellen ausgiebig und tragen große Mengen Nektar und Pollen ein. Da bei der Erdhummelkönigin (Nistkasten 1) und der Steinhummel im Hornissenkasten bereits Puppen vorhanden sind, beschränkt sich deren Sammeltätigkeit in der Regel auf die Nektarbeschaffung, wobei die Tiere mit voller, schwerer Honigblase die Nistkästen ansteuern. Beide tragen zwar ab und an auch noch Pollen ein, nämlich für neue Eier und die künftigen Larven der 2. Generation, aber besonders aktiv bei der Pollenbeschaffung ist derzeit die andere Steinhummelkönigin (Nistkasten 2), die momentan noch hungrige Larven zu versorgen hat. Die Wiesenhummel (Nistkasten 3) hatte bereits mehrfach Pollen eingetragen und hat nun bereits Eier gelegt, wobei ihre derzeitigen Sammelflüge nur von kurzer Dauer sind und sich hauptsächlich auf das Sammeln von Nektar beschränken.

 

links: Einflug der Dunklen Erdhummelkönigin, rechts: Einflug der Steinhummelkönigin

 


4. Mai 2008: Ackerhummel angesiedelt! Da es derzeit noch suchende Ackerhummeln zu finden gibt, habe ich noch eine weitere Nistgelegenheit aufgestellt. Diese wurde auch rasch von einer Ackerhummelkönigin angenommen, die ohnehin schon ständig das blühende Lungenkraut in unserem Garten besuchte und immer wieder auf Nestsuche an unseren Hecken zu beobachten war. In die bereits andersweilig besiedelten Nistkästen wagte sie sich dabei nicht vor. Nach dem Orientierungsflug habe ich sie bereits mehrmals ein- und ausfliegen sehen können, wobei sie nach dem Abflug dann rasch an den Pflanzen in unmittelbarer Nestnähe sammelt, wie eben am Lungenkraut oder an der Johannisbeere. Im Gegenzug dazu sammeln die anderen Königinnen, wie die der Dunklen Erdhummel und der Steinhummel, eher an den Kirschbäumen in der weiteren Umgebung und nicht unmittelbar im Nestumfeld.

 

Auch die Bäume werden langsam grün...

 

 

Zahlreiche Trachtquellen!

 

Blick über das Erzgebirge...

 

Auch um die Nistkästen herum beginnen die Pflanzen zu wachsen...

 

 

Angesiedelte Ackerhummelkönigin kurz nach dem Abflug vom Nistkasten - hier beim Sammeln am Lungenkraut

 

Nistkästen im Sonnenuntergang

 

Die Bilanz sieht derzeit wie folgt aus: 5 Nistkästen sind besiedelt von: 1 mal Dunkle Erdhummel, 2 mal Steinhummel, 1 mal Wiesenhummel und 1 mal Ackerhummel. Bei der Dunklen Erdhummel (Nistkasten 1) und der Steinhummel im Hornissenkasten dürfte sich bald Nachwuchs einstellen...

 


6. Mai 2008: Während der Abwesenheit der Erdhummelkönigin habe ich heute vorsichtshalber mal nach dem Entwicklungsstand der Brut geschaut (Nistkasten 1). Neben einem halb gefüllten Nektartopf fanden sich Kokons und 2 neue Eigelege. Im Bereich, wo die Königin die Brut immer wärmt, hat sich eine "Delle" gebildet. Zusammen mit dem restlichen Wachs und der "Brutwärme" sind dort die Kokons etwas transparenter als sonst, man erkennt in etwa den Entwicklungsstand der künftigen ersten Generation. Die Augen beginnen sich bereits auszufärben. In etwa 4 Tagen sollte die Brut geschlüpft sein.

 

Brut (links) und Honigtopf (rechts) der Dunklen Erdhummel, die Königin ist gerade unterwegs - in der Mitte der Brutwabe sind

bei teilweise leicht transparenten Kokons die pigmentierten Augen der Nymphen zu sehen

 

Interessant sind auch die Sammeleigenheiten der Königinnen. Die Dunkle Erdhummel fliegt mittlerweile morgens und abends mehrere, intensive Nektarsammelflüge, während sie Mittag und Nachmittag kaum das Nest verlässt. Die Wiesenhummel verhält sich ähnlich, tätigt aber teilweise kürzere Flüge. Sie muss aber dafür öfters ausfliegen. Die Stein- und Ackerhummeln dagegen sammeln über den ganzen Tag verteilt. Folgend noch einige Bilder von heute, welche den Einflug der Dunklen Erdhummel (Nistkasten 1) und der Steinhummel aus Nistkasten 2 zeigen.

 

 

Einflug der Dunklen Erdhummel

 

Rückkehr der Steinhummel aus Nistkasten 2 mit Pollen für die Larven

 


 

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