Hummeltagebuch 2018

 

Nach einem anfangs milden und sehr Sturm- bzw. Orkan-geprägten Winterhalbjahr mit erheblichen Vegetationsschäden hier in Sachsen zeigte der Winter Ende Februar und im März noch einmal seine Zähne. Eisige Hochdrucklagen brachten zeitweise sogar Tiefstwerte bis unter -20°C und auch tagsüber blieb es oft bei Dauerfrost. Erst ab der 3. Märzdekade wurde es dann wieder deutlich wärmer und frühlingshaftes Wetter hielt Einzug.

 


04.04.2018: Erste Hummelsichtung! Heute habe ich bei frühlingshaftem Wetter eine erste Baumhummel gesehen. Weiterhin beginnen bald die Saalweiden zu blühen und bieten neben Krokussen die erste große Trachtquelle des Jahres. Die Nistkästen habe ich bereits in den zurückliegenden Tagen vorbereitet und erwarten nun neue Bewohner.

 


11.04.2018: Erste Ansiedlungen! Weiterhin herrscht sehr warmes Wetter mit Temperaturen über 20°C, wobei es nachts auch mal noch frostig ist. Die Saalweiden stehen in ihrer vollen Blütenpracht und viele Hummeln sind unterwegs. Auch gibt es erste Selbstansiedlungen am Hummelstand zu vermelden: Eine Baumhummel hat den hellblauen Kasten (Kasten 2) bezogen, eine 2. Baumhummel wählte den neuen hellbraunen Kasten (Kasten 5) als neues Domizil. Beides sind Rückkehrerinnen aus meinem sehr starken Baumhummelnest im Vorjahr. Weiterhin fliegt eine Wiesenhummel in den ausgemusterten hellgrünen Nistkasten (Kasten ALT), welcher mittlerweile an einer anderen Stelle im Garten steht.

 

Blick auf den Hummelstand im Garten - im überdachten Stand von links nach rechts: Kasten 1-5; ganz rechts im Bild: querliegender, überdachter Wespen-/Hornissenkasten und daneben der hellgrüne ausgemusterte Hummel-Kasten (= Kasten ALT)

 


19.04.2018: Lagebericht und weitere Ansiedlungen! Die Wiesenhummel aus dem ausgemusterten hellgrünen Kasten (Kasten ALT) besitzt bereits ein Nest aus 9-10 Puppen. Hier ist also bald mit Arbeiterinnen zu rechnen. Weiterhin sind auch die beiden Baumhummeln im blauen Kasten (Kasten 2) und hellbraunen Kasten (Kasten 5) aktiv. Die Königin im blauen Kasten hat bereits große Larven, während des Nestchen im hellbraunen Kasten aus noch kleineren Larven besteht. Zudem sieht man viele Baumhummeln im Garten umherfliegen - kein Wunder bei dem starken Nest im Vorjahr. Am Nachmittag flog eine 3. Baumhummel in den noch leeren dunkelgrünen Kasten (Kasten 3) und nahm diesen von selbst an. In diesem Nistkasten befand sich letztes Jahr das starke Volk, wenngleich sich der Kasten damals an einer anderen Stelle im Hummelstand befand. Durch das Umsortieren der Kästen versuche ich, Stechereien zu vermeiden. Interessanterweise fliegen auch einige weitere rückkehrende Baumhummeln nestsuchend die Nistkästen an, drehen dann aber rasch ab. Sie merken wohl, dass hier schon Baumhummeln brüten und wählen (zumindest aktuell) noch die Flucht anstatt es auf Stechereien ankommen zu lassen. Das kann sich ändern, wenn konkurrierende Königinnen selber keine Nistmöglichkeiten finden oder aber ihr Nest aus irgendeinem Grund verlieren. Dann ist das Bestreben zur Übernahme anderer Nester deutlich größer. 

 

Die Kirschen stehen in voller Blüte - eine gute und wichtige Trachtquelle für alles, was summt und brummt...

 

Blick auf die Kästen 1-5 im Hummelstand

 

Einflug der Baumhummelkönigin in den hellblauen Kasten 2

 

Brütende Baumhummel in Kasten 2, daneben der Honigtopf...

 

Blick in das Baumhummelnestchen in Kasten 5 (hellbrauner Kasten), links der Honigtopf, rechts das Larvenbündel...

 

Kurze Zeit später gibt sich auch die Baumhummelkönigin hier in Kasten 5 die Ehre...

 

Wiesenhummelkönigin im ausgemusterten Nistkasten (Kasten ALT) - hier gibt es bereits Puppen...


Am Nachmittag gelang mir noch die Ansiedlung einer Wiesenhummel in den Schweglerkasten (Kasten 1). Nach einem Orientierungsflug flog sie nachfolgend bereits mehrfach den Kasten an - ein gutes Zeichen. Auch eine Steinhummel zeigte nach aktivem Einsetzen in den letzten noch verbliebenen Kasten (dunkelbraun, Kasten 4) einen Orientierungsflug, wobei sie aber anschließend noch nicht wieder zurückkehrte.

 


28.04.2018: Ausfälle und Kuckuckshummel! Irgendwann passiert es dann immer und es gibt doch einige Ausfälle. Die Baumhummelkönigin im hellblauen Kasten (Kasten 2) ist durch eine nestsuchende Steinhummel erstochen worden. Die Steinhummel selber wurde aber ebenfalls schwer verletzt und ich fand sie - bereits verstorben - außerhalb vom Kasten mit zerbissenen Flügeln. Das ist sehr schade, da im Nest bereits Puppen vorhanden waren. Leider ist es bei Baumhummeln weitaus schwerer, passenden Ersatz für das verwaiste Nest zu finden als beispielsweise bei Erdhummeln, da Baumhummeln oft in der Höhe nach Nistgelegenheiten suchen und damit suchende Königinnen schwer zu finden sind. Auch im dunkelgrünen Kasten (Kasten 3) lag eine Baumhummel tot im Kasten, welche aber anders aussah als die, welche bei der letzten Kontrolle hier noch einflog und sich zuvor angesiedelt hatte. Möglicherweise kam es hier auch zum Streit. Von der ursprünglichen Besitzerin war nichts mehr zu sehen. Vielleicht ist sie durch den Kampf mit der Konkurrentin verletzt worden und noch aus dem Kasten gekrabbelt. Möglicherweise ist sie aber auch bei Ausflügen später irgendwo verunglückt. Im Kasten befindet sich jetzt ein verwaistes kleines Larvenbündel.


Bei der 3. Baumhummelkönigin im hellbraunen Kasten (Kasten 5) ist aber alles ok, hier sind 8-9 Puppen vorhanden. Die Wiesenhummel im Schweglerkasten (Kasten 1) ist auch gesund und munter. Hier gibt es nun auch eine Brutwabe bestehend aus mehreren Larven. Anders im hellgrünen Kasten (Kasten ALT): Hier gibt es bereits erste Arbeiterinnen. Daher war das Nest aber auch gleich für eine Waldkuckuckshummel interessant. Ich staunte nicht schlecht beim Blick in den Nistkasten, als ich die mit auf dem Nest sitzende Kuckuckshummel entdeckte. So früh hatte ich wirklich noch nie Kuckuckshummeln. Das mag an dem überdurchschnittlich warmen April liegen, weshalb derzeit ohnehin alles früher dran ist als sonst. Auch blühen mittlerweile diverse Obstsorten so früh wie selten. Da die Wiesenhummelkönigin noch fit auf den Waben unterwegs war (bei der Waldkuckuckshummel wird die Wirtskönigin/ Wiesenhummelkönigin oft nicht abgestochen), habe ich den Kuckuck entfernt und in einigen Kilometern Entfernung freigelassen. Nun hoffe ich, dass sich das Nest weiter normal entwickeln kann.


Die vor einigen Tagen eingesetzte Steinhummel in Kasten 4 (dunkelbraun) ist übrigens nicht mehr zurückgekehrt und der Kasten steht weiterhin leer.

 

Blick auf den Hummelstand...

 

Hier sieht man auch mal den Hornissen-/Wespenkasten (überdacht) und daneben noch den hellgrünen ausgemusterten Kasten (Kasten ALT) etwas besser...

 

Verbliebene Baumhummelkönigin in Kasten 5 auf ihren Brutwaben...

 

Wiesenhummelkönigin im Schweglerkasten (Kasten 1)...

 

Im ausgemusterten Kasten (Kasten ALT) hat die Wiesenhummelkönigin bereits Unterstützung - eine Waldkuckuckshummel musste ich aber aus dem Nest bereits entfernen...

 

Aufgrund des warmen Aprils stehen derzeit viele Bäume und Pflanzen gleichzeitig in voller Blüte...

 


03.05.2018: Weitere Nestentwicklungen und Ansiedlungen! Die Wiesenhummeln im hellgrünen Kasten (Kasten ALT) haben ihren Kuckucksbesuch gut überstanden und sich weiterentwickelt. Neue Brut ist vorhanden und die 9-10 Arbeiterinnen tragen bereits Einiges an Nektar und Pollen ein. Die 2. Wiesenhummel im Schweglerkasten (Kasten 1) hat mittlerweile ein Nest mit 8-10 Puppen. Die Baumhummel im hellbraunen Kasten (Kasten 5) hat nun ebenfalls ihre erste Arbeiterin und die restlichen müssten binnen weniger Tage folgen. Weiterhin haben sich selbstständig 2 Ackerhummeln angesiedelt. Eine Königin fliegt in den dunkelbraunen Kasten (Kasten 4), eine 2. in einen alten Hornissenkasten, der neben dem ausgemusterten hellgrünen Kasten (Kasten ALT) mit den Wiesenhummeln steht. Darin befindet sich Papier einer Nesthülle eines alten, zerfallenen Wespennestes, was der Hummel hier scheinbar als Nistmaterial dient.

 

Momentan steht der Raps in voller Blüte...

 

Hummelstand mit den Kästen 1-5 (von links nach rechts)

 

Die übrigen Kästen - überdacht Hornissen-/Wespenkasten und danaben mit Blumentopf der Kasten ALT mit den Wiesenhummeln...

 

Blick in den Kasten 5 mit dem Baumhummelnestchen - links die Königin, rechts die Brutwabe mit der ersten Arbeiterin...

 

Auch die Anfangswabe der Wiesenhummel im Schweglerkasten (Kasten 1) beinhaltet bereits Puppen...

 

Im hellgrünen Kasten (Kasten ALT) ist ein schönes kleines Wiesenhummelnest entstanden...

 

Abendsonne hinter einem Rapsfeld - weiterhin herrscht gutes Flugwetter...


Weitere Stechereien mit Baumhummeln gab es zum Glück nicht mehr. Immerhin waren es letztes Jahr deutlich über 300 Baumhummel-Jungköniginnen und ich vermute schon, dass wenigstens ca. 50 durch den Winter gekommen sind. Damit scheinen viele der Königinnen auch woanders noch Nistplätze gefunden zu haben, nachdem doch viele auch im eigenen Garten zu beobachten waren.

 


09.05.2018Weitere Arbeiterinnen geschlüpft! Bei den beiden Wiesenhummelnestern und der kleinen Baumhummelkolonie geht es voran. Mittlerweile sind auch bei der Wiesenhummel im Schweglerkasten (Kasten 1) Arbeiterinnen vorhanden, welche bereits fleißig ein- und ausfliegen. Bei den Baumhummeln (Kasten 5) haben nun auch die Arbeiterinnen das Nektar- und Pollensammeln komplett übernommen. Die Königin bleibt von nun an im sicheren Nest. Bei den Wiesenhummeln im ausgemusterten Kasten (Kasten ALT) ist mittlerweile die 2. Generation geschlüft und etwa 15-20 Arbeiterinnen gehören dem Nest an. Allerdings habe ich hier erneut eine Waldkuckuckshummel im Nest entdeckt. Auch diesmal habe ich sie wieder entfernt und in einigen Kilometern Entfernung freigelassen. Die Wiesenhummelkönigin war weiterhin am Leben (zum Glück) und kann nun ihr Nest wieder regieren und so weiter für eigenen Nachwuchs sorgen. Die Ackerhummelkönigin im Wespen-/ Hornissenkasten konnte ich ebenfalls bei Ausflügen beobachten. Nur die Ackerhummelkönigin im braunen Kasten (Kasten 4) habe ich heute nicht gesehen. Bleibt zu hoffen, dass dort noch alles ok ist. 

 

Blick auf den Hummelstand - der benachbarte Rhododendron steht kurz vor der Blüte...

 

Seit vielen Tagen blüht bereits der Flieder - der wichtige Schattenspender für den Hummelstand...

 

Bei den Wiesenhummeln im Schweglerkasten (Kasten 1) ist nun auch Nachwuchs da - unten die größere Königin...

 

Blick in das kleine Baumhummelnest in Kasten 5 (vorne ist die Königin zu sehen)...

 

Das am weitesten entwickelte Nest: Wiesenhummeln im Kasten ALT mit Arbeiterinnen der 2. Generation (= insgesamt 15-20 Tiere)...

 

Hier waren bereits zwei Waldkuckuckshummeln im Nest, welche ich beide entfernt habe. Die Wiesenhummelkönigin ist aber immer noch fit und regiert auch weiterhin ihr Nest...

 


 

Aktualisierung folgt zeitnah!

 

 

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