Hornissenumsiedlung am 28.08.2017 in Zwönitz

 

Die Hornissensaison 2017 war eine recht erfolgreiche Saison für diese Wespenart und folglich gab es auch einige Nestmeldungen bei den Naturschutzbehörden. Die meisten Völker durften dabei an ihrem Standort bleiben. Dennoch gab es im August und Anfang September auch drei Umsiedlungen abzuarbeiten. Zwei davon waren arbeitsintensiver und mit dem Einbringen des Nestes in einen Umsiedlungskasten verbunden. Eine dieser Umsiedlungen ist nachfolgend dokumentiert. Der Bericht zur 2. Umsiedlung ist hier zu finden. Eine sehr komplizierte weitere Umsiedlung folgte in der laufenden Saison schließlich noch Mitte September und ist hier beschrieben.

 

28. August 2017: Tag der Umsiedlung: Es handelte sich im vorgestellten Fall um ein Nest, welches außen an einem Haus im Giebelbereich - in Folge einer Hornissenmigration Ende Juli - entstanden war. Der Neststandort befand sich in Zwönitz im Erzgebirgskreis. Das Nest umfasste 5 Wabenetagen und eine begonnene 6. Etage sowie etwa 150-200 Hornissenarbeiterinnen. Die Umsiedlung fand schließlich am 28.08. am Nachmittag statt. Zuvor hatte bereits ein ortsansässiger Dachdecker eine Gerüst dort aufgestellt, um das Nest überhaupt erreichen zu können. Die Hornissenarbeiterinnen wurden in einem 1. Schritt mittels eines speziellen Saugers in eine Fangbox abgefangen. Nachfolgend wurde die Nesthülle entfernt und die Waben wurden in einen Hornissenkasten eingeklebt und fixiert. Die Königin, junge Arbeiterinnen und einige bereits vorhandene Drohnen verblieben während dieser Prozedur auf den Waben. Nachfolgend wurden noch die letzten Tiere vom alten Neststandort abgefangen und dem Nest zugesetzt. Auch die Fangbox mit den zuvor abgesaugten Hornissen wurde nun unten im Nistkasten plaziert und der Kasten verschlossen.

 

Blick auf das Hornissennest im äußeren Giebelbereich eines Hauses - es soll umgesetzt werden...

 

Mittels Gerüst geht es an die Umsiedlung - in einem 1. Schritt werden die flugfähigen Hornissen vorsichtig in eine Fangbox abgesaugt...

 

Anschließend wird die Nesthülle entfernt und die Waben werden vorsichtig geborgen sowie in einen Nistkasten eingeklebt...

 

Hornissenkasten mit eingeklebten und fixierten Waben (oben) und Fangbox mit den abgefangenen Hornissen (unten)...

 

Das Nest und die Hornissen wurden nun zum Aussiedlungsstandort (eine Streuobstwiese) gebracht. Der Hornissenkasten wurde an geeigneter Stelle aufgehängt und anschließend fand die "Familienzusammenführung" statt. Dazu wurde eine Klappe in der Fangbox geöffnet und der Nistkasten schnell geschlossen. Die Tiere krabbelten nun durch diese Öffnung wieder auf die Waben und nach kurzer Beruhigung wurde das Flugloch freigegeben. Nachfolgend konnten sich die Tiere einfliegen und an die neue Umgebung gewöhnen. Mit etwas Bienenfutterteig habe ich die Tiere noch zugefüttert, damit sie die Umsiedlung besser verkraften.

 

Am Aussiedlungsstandort werden nun die Hornissen aus der Fangbox im Nistkasten wieder freigelassen und können auf die Waben klettern und sich beruhigen, nachfolgend einfliegen...

 

Nach drei Tagen erfolgte die Entnahme der Fangbox, um genug Platz im Nistkasten für eine weitere Nestentwicklung zu schaffen. Es zeigte sich bei dieser Nachkontrolle: Das Volk hat die Umsiedlung gut überstanden und bereits ein Drittel der Nesthülle ersetzt. Bleibt nun zu hoffen, dass auch das Wetter im Herbst noch etwas mitspielt und den Abflug vieler Geschlechtstiere erlaubt.

 

Nach 3 Tagen: Die Hornissen haben die Umsiedlung gut überstanden und bereits Teile der Nesthülle ersetzt...

 

Nachfolgend ist das Video zur Umsiedlung zu sehen. Die kleine Dokumentation soll einige Einblicke in die Umsiedlung geben.

 

Hornissenumsiedlung (externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=0hWcqJDtKNM)

 

23. September 2017: Nachkontrolle! 26 Tage nach der Umsiedlung des Nestes habe ich heute wieder nach dem Nest gesehen. Wesentlich gewachsen ist es nicht mehr, was aber auch mit dem kalten Wetter im September zu tun hat. Zudem wurde deutlich, dass die Arbeiterinnen die Nesthülle vor allem um die größeren Larven und Puppen erweitert hatten und Wabenteile (insbesondere die unterste Etage) sogar in die Außenhülle integriert haben, um schnell einen Temperaturschutz für die Brut aufzubauen. Eier und kleine Larven wurden dabei aber "geopfert". Es war wohl eher eine Notlösung. Scheinbar gab es hier durch die Umsiedlung oder danach einige Arbeiterinnenverluste, weshalb diese Notlösung gewählt wurde. Bei genauerem Hinsehen zeigte sich auch, was eventuell der Grund dafür sein kann. Viele Arbeiterinnen hatten beschädigte Flügel (konnten aber noch fliegen). Es scheint in der Nähe ein weiteres Hornissennest zu geben, weshalb es hier zu Revierstreitigkeiten gekommen ist. Das hat die weitere Entwicklung der Kolonie wohl auch eingeschränkt. Dennoch lässt sich auch hier eine positive Bilanz ziehen. Viele der Puppen, welche auf den Waben bei der Umsiedlung am 28.08. zu sehen waren, sind geschlüpft und damit auch zahlreiche Geschlechtstiere (einige hundert Tiere) bereits erfolgreich abgeflogen. Beim Blick ins Nest zeigte sich, dass immer noch einige Puppen existieren - es sich also einige der Larven auch noch entwickeln konnten. Zudem gibt es weiterhin Jungköniginnen und Drohnen im Nest. Sogar die Altkönigin schaute zeitweise aus dem Nesteingang. Insgesamt also auch eine gute Bilanz - wenngleich hier auch mehr möglich gewesen wäre. Zum Abschied gab es noch etwas Bienenfutterteig. Die letzten Geschlechtstiere sollten in den nächsten Wochen noch erfolgreich vom Nest abfliegen können.

 

Nachkontrolle am 23.09. - man erkennt, dass die Hornissen Teile der untersten Wabe in die Nesthülle integriert haben...

 

Altkönigin blickt aus dem Nesteingang - zahlreiche Geschlechtstiere sind hier bereits abgeflogen...

 

28. Oktober 2017: Endbilanz! Das Hornissennest ist mittlerweile verlassen, weshalb ich mir heute das Nest genauer angeschaut habe. Insgesamt brachte es das Volk auf 5 Wabenentagen. Dabei wurden folgende Etagen errichtet: eine Etage mit vor allem Kleinzellen, eine 2. Etage mit Klein- und Großzellen sowie 3 Etagen aus Großzellen. Aus den Großzellen schlüpfen die Jungköniginnen und der Hauptteil der Drohnen. Das Nest ist insgesamt eher klein geblieben. Mögliche Gründe für eine nicht ganz so optimale Entwicklung wurden bereits weiter oben diskutiert. Dennoch ist die Bilanz erfreulich. Trotz des eher kleinen Nestes wurde die vorhandene Brut sehr effizient aufgezogen und mehr als 340 Geschlechtstiere haben dieses Nest erfolgreich verlassen können. Da das Nest recht früh mit der Aufzucht von Geschlechtstieren begonnen hatte und bereits im September viele Puppen statt futterabhängiger Larven vorhanden waren, hielten sich die Brut-Ausfälle durch die zeitweise kühle Witterung im Herbst sehr in Grenzen. Gerade auch das gute Wetter Mitte Oktober sollte es auch den allerletzten Jungköniginnen hier noch ermöglicht haben, sich zu paaren und einen Unterschlupf für den Winter zu finden. Insgesamt also eine sehr zufriedenstellende Bilanz. Hoffen wir nun auf viele Jungköniginnen, die den Winter erfolgreich überstehen.

 

Verlassenes Hornissennest...

 

Das Nest besteht aus insgesamt 5 Wabenetagen und weist eine sehr zufriedenstellende Bilanz auf...

 

 

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