Hornissenumsiedlung am 01.09.2017 in Schwarzenberg

 

In der Hornissensaison 2017 gab es zahlreiche Nestmeldungen bei den Naturschutzbehörden. Die meisten Völker durften dabei an ihrem Standort bleiben. Im August und Anfang September gab es dennoch auch drei Umsiedlungen abzuarbeiten. Zwei Umsiedlungsmaßnahmen waren dabei unfangreicher und gingen mit dem Einbringen der Nester in Nistkästen einher. Eine dieser Hornissenumsiedlungen ist dabei bereits hier beschrieben. Auf die 2. Umsiedlung soll nachfolgend näher eingegangen werden. Eine sehr komplizierte weitere Umsiedlung folgte in der laufenden Saison schließlich noch Mitte September und ist hier beschrieben.

 

01. September 2017: Tag der Umsiedlung: In diesem Fall handelte es sich um ein Nest, welches im Rahmen einer Migration im Laufe des Juli in eine Werkhalle einer Firma in Schwarzenberg umzog. Das Nest umfasste am Tag der Umsiedlung 4 große Wabenetagen und wurde von etwa 150 Hornissenarbeiterinnen bewohnt. Die Umsiedlung erfolgte am 01.09. am Vormittag. Mittels Gabelstabler war das Nest zu erreichen. 

 

Hornissennest in der Werkstatthalle einer Firma in Schwarzenberg...

 

Vorbereitung der Umsiedlung

 

Mittels eines umgebauten Staubsaugers sollen zuerst die flugfähigen Arbeiterinnen abgefangen werden...

 

In einem 1. Schritt wurde alle flugfähigen Hornissen mittels eines speziellen Saugers in eine Fangbox abgefangen. Die Waben und Teile des Nesthülle wurden anschließend vorsichtig von ihrer Unterlage abgetrennt und in einen Hornissenkasten eingeklebt und fixiert. Aufgrund des kühlen Wetters wurde versucht, soviel Nesthülle wie möglich zu erhalten. Die Königin und junge Arbeiterinnen verbleiben während dieser Zeit auf den Waben. Nach dem Abfangen der letzten Rückkehrer wurden diese der Fangbox zugesetzt und die Box mit den zuvor abgesaugten Hornissen nun unten im Nistkasten plaziert. Der verschlossene Nistkasten mit Nest und Fangbox wurde anschließend zum Aussiedlungsstandort transportiert.

 

Dann geht es nach oben...

 

Mehr und mehr Hornissen landen in der Fangbox, am Nest wird es zusehends ruhiger...

 

Anschließend wird das Nest geborgen und in den Nistkasten eingebaut...

 

In den Nistkasten eingebautes Hornissennest (oben) und Fangbox mit den abgefangenen Hornissen (unten) - so wird das Volk zum neuen Standort transportiert...

 

Dort angekommen wurde der Hornissenkasten an geeigneter Stelle aufgehängt. Nachfolgend wurde eine Klappe in der Fangbox geöffnet und der Nistkasten schnell geschlossen. Auf diese Weise konnten die angefangenen Tiere in der Fangbox wieder auf die Waben krabbeln. Zuvor hatte ich im Nistkasten auch Bienenfutterteig platziert, damit sich die Tiere wieder etwas stärken können. Nach etwa 15-20 min hatten sich die Tiere soweit beruhigt, dass nun das Flugloch freigegeben werden konnte. Die Hornissen konnten sich nun trotz Regen gut einfliegen und an die neue Umgebung gewöhnen. Öffnet man das Flugloch zu früh, so kann es passieren, dass sie Tiere noch zu aufgebracht abfliegen und sich nicht den neuen Niststandort einprägen.

 

Am Aussiedlungsstandort werden die Hornissen aus der Fangbox wieder auf das Nest gelassen - nach kurzer Beruhigung und Zufütterung dürfen sich die Tiere neu einfliegen...

 

Nach 6 Tagen habe ich die Fangbox aus dem Kasten entfernt und eine Nachkontrolle durchgeführt. Es zeigte sich, dass die Hornissen die Umsiedlung gut verkraftet haben. Die Nesthülle und die Wabenetagen wurden erweitert und sogar eine neue Wabenetage angefangen. Zudem befanden sich bereits mehrere Drohnen im Nest. Nun bleibt zu hoffen, dass es der Kolonie gelingt, noch möglichst viele Geschlechtstiere hervorzubringen.

 

Blick auf das Hornissennest nach 6 Tagen - Nesthülle und Waben wurden erweitert und sogar eine neue Wabenetage begonnen...

 

Nach Volk hat die Umsiedlung gut überstanden...

Nachfolgend ist das Video zur Umsiedlung zu sehen:

 

Video zur Umsiedlung (externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=lGrA4dMOeeY)

 

23. September 2017: Nachkontrolle! 23 Tage nach der Umsiedlung habe ich nochmals nach dem Nest gesehen. Das Volk ist weiterhin sehr vital. Im Nest befinden sich zahlreiche Geschlechtstiere und auch die Altkönigin ist noch vorhanden - wenngleich sie bereits sehr schwach ist und keine Eier mehr legt. Sie ist nun an ihrem Lebensabend angekommen. Während der Kontrolle fiel sie sogar vom Nest, weshalb ich sie wieder vorsichtig auf die Nesthülle zurückgesetzt habe. Das Nest selber ist nicht wesentlich gewachsen, was aber mit dem recht kalten Wetter im September zu tun hat. Die Arbeiterinnen konzentrierten sich daher eher auf die Versorgung der vorhandenen Larven und der Geschlechtstiere. Wahrscheinlich werden hier aber noch bis weit in den Oktober hinein Jungköniginnen und Drohnen abfliegen - insofern das Wetter mitspielt. Im Video ist auch schön zu sehen, dass sich Hornissen bei groben Störungen (hier Öffnen des Kastens) durchaus zu verteidigen wissen. Ohne Stechschutz wäre das ein recht schmerzhaftes Unterfangen gewesen. So massiv reagieren die Tiere aber nur bei wirklich groben Störungen. Zuvor waren die Tiere recht ruhig und konnten bei etwas Vorsicht sogar direkt am Kasten beobachtet werden. Zum Abschied gab es noch etwas Bienenfutterteig als kleine Entschuldigung für die Störung.

 

Nachkontrolle am 23.09. - das Volk ist weiterhin sehr aktiv, wenngleich das Nest aufgrund des kalten Wetters im September kaum weiter gewachsen ist...

 

Im Nest gibt es aber mittlerweile zahlreiche Geschlechtstiere...

 

Die Altkönigin ist bereits schwach und wird wohl bald sterben. Noch während der Kontrolle fällt sie aus dem Kasten - ich setze sie anschließend vorsichtig zurück...

 

Zufütterung mit Bienenfutterteig - zahlreiche Tiere umfliegen den Kasten...

 

Nach kurzer Beruhigung versammeln sich zahlreiche Arbeiterinnen auf dem Flugbrett am Futterteig...

 

Nachfolgend noch das Video zur Nachkontrolle:

 

Video zur Nachkontrolle (externer Link: https://www.youtube.com/watch?v=QZ37bLpEDA8)

 

15. Oktober 2017: Besuch am Nest! Nach einiger Zeit habe ich mal wieder nach dem Nest gesehen. Dort gibt es weiterhin viel Betriebsamkeit - wenngleich auch hier bereits der Flugverkehr im Vergleich zur letzten Kontrolle natürlicherweise abgenommen hat. Seit einigen Tagen herrscht auch tolles und warmes Herbstwetter mit teils mehr als 20°C. Dadurch können nochmal einige Geschlechtstiere abfliegen. Das ist auch deswegen gut, da es dieses Jahr auch einige kühle Phasen im Herbst gab. Zum Glück waren diese kühlen Phasen nicht so nachhaltig wie letztes Jahr und wechselten auch mit besserem Flugwetter ab. Da dieses Volk eher spät mit der Aufzucht von Geschlechtstieren begonnen hatte, kommt das aktuelle Wetter vor allem auch dieser Kolonie sehr zu Gute. Gerade "spätere" Nester haben bei frühen Kälteeinbüchen oft erhebliche Probleme. Auch die kommenden Tage sehen wettertechnisch sehr vielversprechend aus. Ich bin gespannt, wie erfolgreich das Nest letztlich war/wird. Das erfahren wir nach dem Absterben der Kolonie durch Auszählung der geschlüpften/offenen Zellen.

 

Aktuell: Tolles Herbstwetter bei warmen Temperaturen!

 

Bei den Hornissen herrscht weiter Betriebsamkeit...

 

12. November 2017: Das Nest ist verlassen! Mittlerweile ist am Nistkasten Ruhe eingekehrt. Beim Öffnen des Kastens war niemand mehr zu Hause. Darum habe ich heute den Kasten wieder mitgenommen und gereinigt. Zuvor habe ich mir das Nest genauer angesehen. Insgesamt haben die Hornissen 6 Wabenetagen gebaut, davon zwei Etagen mit nahezu ausschließlich Kleinzellen sowie 4 Etagen mit ausschließlich Großzellen. In den Großzellen werden die Königinnen und der Großteil der Drohnen herangezogen, in den Kleinzellen Arbeiterinnen und ebenfalls einige Drohnen. Trotz vieler Großzellen waren doch zahlreiche Larven/Puppen in den unteren Etagen nicht mehr zur Entwicklung gekommen. So gab es in der 4. Etage bei >150 Zellen nur 9 verdeckelte Zellen! Diese 9 Puppen kamen auch erfolgreich zum Schlupf. Wahrscheinlich hat das zeitweise recht kühle Wetter im September und Anfang Oktober dem Volk doch mehr zugesetzt als erst gedacht. Da das Volk auch erst vergleichsweise spät mit der Aufzucht von Geschlechtstieren begonnen hatte, scheinen diese kühlen Phasen das Beuteangebot doch derart reduziert zu haben, dass viele der da noch vorhandenen Larven nicht mehr ausreichend gefüttert werden konnten. Möglicherweise wurden in der Not sogar einige Larven an Geschlechtstiere verfüttert, welche im Nest auf besseres Wetter warteten und sich ihre Fettreserven angefressen haben. Interessanterweise sind in der 5. Etage wieder weitaus mehr Larven zu Puppen geworden, was wohl an der nochmals besseren und wärmeren Witterung Mitte Oktober lag. Dennoch sind diese Puppen kaum noch zur Entwicklung gekommen, da Ende Oktober dann nachhaltig kaltes Wetter Einzug hielt und das Volk vollends abgestorben ist. Insgesamt sind dennoch über 200 Geschlechtstiere aus dem Nest hervorgegangen. Gerade das gute Wetter Mitte Oktober hat auch nochmals einige späte Abflüge ermöglicht. Insgesamt ist die Bilanz des Volkes damit zufriedenstellend. Bliebt zu hoffen, dass nun viele Königinnen durch den Winter kommen.

 

Blick auf das verlassene Hornissennest im Niskasten...

 

Nach Entfernung eines Teils der Hülle werden die 6 Wabenetagen sichtbar...

 

 

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