Beobachtung eines Hornissennestes in einem Baum (2008)

 

Durch Zufall wurde ich auf ein Hornissennest aufmerksam, welches ich nach einigen Spaziergängen gefunden hatte. Als ich Ende August 2008 in der Umgebung unterwegs war, fand ich einen Weidenbaum. Dort konnte ich einige Hornissen beim "Ringeln" beobachten. Dabei beißen die Arbeiterinnen mit ihren Kieferzangen die Rinde auf und lecken den süßen Saft auf, der dann austritt (schadet Baum nicht). Damit decken sie ihren Kohlenhydratbedarf und den ihrer Kolonie, denn über einen Sozialmagen können Hornissen, wie auch Hummeln, Nektar und süße Baumsäfte zwischenlagern, um sie im Nest an weitere Arbeiterinnen weitergeben zu können. Mittels Fernglas verfolgte ich nun den Abflug der Arbeiterinnen eine Zeit lang und entdeckte wenig später nach kurzem Suchen auch das Hornissennest, welches etwa 500 m entfernt war. Dieses Nest wurde naturgemäß in einem alten Baum gegründet. Entsprechend hat sich neben dem Migrationsnest in einem Jägerhochstand nun noch eine Beobachtungsmöglichkeit für dieses Jahr ergeben, zumal man auch das Nest von unten her gut einsehen kann.

 


30. August 2008: An diesem Tag habe ich das Nest wie oben beschrieben entdeckt. Das Nest ist sehr stark und etwa 300 Ein- und Ausflüge kann man pro 10 Minuten zählen. Im Vergleich: Das Migrationnnest im Hochstand hat "nur" ca. 100 Flugbewegungen in der gleichen Zeit! Folgend einige Bilder vom Ringeln am Nahrungsbaum:

 

 

 

 

Die folgenden Bilder zeigen die Flugbewegung am Nest:

 

 

 

 

 

 

 


2. September 2008: In nur 3 Tagen wurde das Nest um 1 Wabenetage erweitert. Zudem sieht man gelegentlich die Königin bei der Eiablage. Auch erste Drohnen tummeln sich im Nest, das Nest steht vor seinen Höhepunkt. Wieviele Wabenetagen es sind, kann ich nicht sagen!

 

gutes Flugwetter

 

Bei etwas Vorsicht auch möglich: Blick aufs Hornissennest

 


16. September 2008: Es ist deutlich kälter geworden, erste Bodenfröste und tagsüber bei Bewölkung sehr kühle Tageshöchstwerte machen den Hornissen zu schaffen. Daher habe ich beschlossen, die Kolonie im Baum etwas zu füttern (mit Bienenfutterteig). Allerdings kann man dort, im Gegensatz zu dem Nest im Hochstand, welches ich ebenso zufüttere, nur wenig Futter so plazieren, dass es nicht herunter fällt und von den Hornissen auch gefunden wird. Dennoch wird jede Fütterung gern angenommen, da sich viele Geschlechtstiere mittlerweile im Nest befinden (Drohnen und Jungköniginnen), wobei sich die jungen Königinnen ihre Fettreserven für den Winter anfressen müssen. Gleichzeitig gilt es, die Brut warm zu halten. Vor allem die Puppen sind recht kälteempfindlich und müssen zumindest meist bei > 25 °C gehalten werden, damit es nicht zu eventuellen Fehlentwicklungen ("Kältekrüppeln") kommt.

 

Grau und kalt ist es tagsüber, nachts teils klar und frostig...

 

Blick ins weiterhin gewachsene Hornissennest...

 

Fütterung am Flugloch...

 


18. September 2008: Markanter Luftfrost von bis zu - 5 °C hat sicherlich einiges an Opfern gefordert unter der Hornissenpopulation. Das Nest im Baum habe ich gleich nach Sonnenaufgang gefüttert. Überall waren die Wiesen voller Reif, die Luft war klar und eisig. Direkt am Flugloch haben die Hornissen das Apifonda (den Futterteig) rasch angenommen. Die Arbeiterinnen sind durch das dauerhafte Wärmen der Brut und den Zwang des Ausfluges (bei dieser Kälte), um Kohlenhydrate zum Wärmen und Füttern der Geschlechtstiere heran zu schaffen sowie der Jagd nach eiweißreichem Futter für die Königinnen und die Brut teils überfordert, weshalb mehrere Larven aus dem Nest geworfen wurden. Da meinerseits nur kleinere Futtermengen verfüttert werden können, haben die Tiere deutlich mehr zu leiden als die Hornissen im Hochstand.

 

 

Klarer kalter Morgen nach sehr frostiger Nacht...

 

Erste wärmende Sonnenstrahlen...

 

Fütterung an der Nestöffnung

 


20. September 2008: Weiterhin ist es bewölkt und kalt, die Fütterung wird fortgesetzt. Zudem werden immer wieder Larven aus dem Nest geworfen, teils an ältere Larven sogar verfüttert, da keine ausreichenden Ausflüge möglich sind.

 

Weiterhin ist es stark bewölkt und kalt...

 

 

Rege wird jegliches Futter angenommen...

 


25. September 2008: Zahlreiche Geschlechtstiere befinden sich im Nest und warten auf besseres Wetter. Ein Großteil der Brut wurde mittlerweile aus dem Nest geworfen, da die vollständige Versorgung bei der Witterung nicht mehr gewährleistet war und ist...

 

Durch Kälte matte Hornissenarbeiterin...

 


27. September 2008: Endlich herrscht mildes Wetter, welches die Geschlechtstiere für Verpaarungen nutzen. Heute flogen zahlreiche Jungköniginnen und Drohnen zur Verpaarung ab. Zudem konnten auch heute wieder bequem größere Mengen an proteinreicher Nahrung eingetragen werden, was den Jungköniginnen und den Larven zu Gute kommt.

 


2. Oktober 2008: Es herrscht wieder kühleres und vor allem sehr windiges Wetter, welches den Hornissen teils stark zusetzt, da der Flugbetrieb nur eingeschränkt möglich ist. Die Tiere haben bei den Böen Schwierigkeiten beim Nestanflug, eine Jagd ist nicht möglich. Nur kohlenhydratreiche Nahrung wird daher eingetragen. Da in den letzten Tagen bereits ein erheblicher Teil der Geschlechtstiere abgeflogen ist, wird es langsam leerer im Nest - auch, weil die Altkönigin bereits schon länger altersbedingt verstorben ist und es nun an weiterem Nachwuchs fehlt, zumal die Ausfälle durch die widrige Witterung der letzten Wochen nicht unerheblich waren. Teils sieht man vereinzelt auch "Kältekrüppel" bei dieser Kolonie, wobei einzelne Drohnen und Arbeiterinnen betroffen sind. Der Großteil der Puppen scheint die kalte Witterung aber unbeschadet überstanden zu haben, im Gegensatz zu einem Großteil der Larven. Diese konnten bei der Witterung kaum noch gefüttert werden und wurden teils aus dem Nest geworfen, vereinzelt aufgrund des herrschenden Hungers auch verfüttert an größere Larven oder an die Jungköniginnen (letztere benötigen Eiweißnahrung zur Aktivierung der Eierstöcke).

 

Die Blätter werden immer bunter...

 

Das Nest wirkt auf den ersten Blick recht leer, der Großteil der noch vorhandenen Tiere hält sich aufgrund der kühlen Witterung weiter oben im Nest auf...

 

Trotz der widrigen Witterung abfliegender Drohn...

 


5. Oktober 2008: Endlich ist es wieder milder, die Hornissen können wieder intensiv ausfliegen. Die Betriebsamkeit am Nest nimmt dennoch immer weiter ab. Zwar gibt es weiterhin einige Geschlechtstiere, doch bald dürften alle Puppen geschlüpft sein und die Drohnen und Jungköniginnen nach einigen Tagen im Nest entgültig abfliegen. Die noch vorhandenen Larven werden nach und nach aus dem Nest geworfen, da die Arbeiterinnen nun alterbedingt in den nächsten Wochen absterben und bald die Versorgung der Larven bzw. der daraus noch entstehenden Puppen (Verpuppung wird jedoch unterbunden durch unzureichende Fütterung) nicht mehr möglich sein wird.

 

Blick aufs Nest - die letzten Larven und die ein oder andere Puppe finden sich noch im Nest

 


 

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