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25. Juni 2010: Bombus cryptarum! Das Volk wächst, es gehören nun 60-65 Arbeiterinnen dem Nest an. Weiterhin gibt es viel Brut, die Königin ist noch aktiv und legt weiterhin Eier. Auch sollten bereits die ersten Eier und Larven für Geschlechtstiere existieren. Außerdem ist dank einiger Hinweise aus dem Forum von www.bombus.de gezeigt worden, dass es sich nicht wie vermutet bei diesem Volk um eines der Hellen Erdhummel handelt, sondern um die seltenere Kryptarum-Erdhummel (Bombus cryptarum), welche an der vorderen Thoraxbinde 2 schwarze Einkerbungen zeigt oder aber eine längere Binde bis weit unter den Flügelansatz. Beides lässt sich zweifelsfrei bei Individuen der Kolonie nachweisen.

 

Nestumgebung

 

Blick in das Nest

 

 

Kennzeichen für Bombus cryptarum

 


02. Juli 2010: Erste Kokons neuer Königinnen! Bei den sommerlich, heißen Temperaturen sind die Arbeiterinnen derzeit massiv mit der Kühlung des Nestes beschäftigt. Etwa 85-90 Arbeiterinnen gehören dem Nest an. Das Brummen der lebenden Ventilatoren ist bereits weitab vom Nistkasten hörbar. Beim Blick in das Nest entdeckte ich die ersten großen Larven und Kokons von Jungköniginnen. Damit steuert das Volk auf seinen Höhepunkt zu. Auch die Königin ist noch am Leben - sie trägt mittlerweile ein alterstypisches Erscheinungsbild, auf Thorax und Abdomen fehlen viele Haare. Auch beginnen einzelne Arbeiterinnen, ihre Eier zu Gelegen der Königin mit hinzu zu legen (Competition Point). Die Vorratshaltung im Nest ist auch bemerkenswert, gerade was den Pollen angeht. Es existieren hohe Silos aus Pollen unterschiedlichster Färbung und Herkunft. Weiterhin wird trotz Hitze viel Pollen eingetragen, vor allem in den kühleren Morgenstunden und Abendstunden. Die Tiere fliegen teillweise bis kurz vor 22 Uhr. Interessant ist auch die Friedlichkeit der Kolonie. Trotz der Volkstärke kann man bei vorsichtigem Arbeiten auf eine Schutzkleidung verzichten. Sowas ist bei anderen Erdhummelarten bei einem solchen Entwicklungsstand undenkbar. Möglicherweise scheint die Kryptarum-Erdhummel etwas ruhiger zu sein wie ihre Verwandtschaft...

 

Blick ins Nest - rechts die großen Larven und Kokons von Jungköniginnen

 

Betriebsamkeit am Nest

 


08. Juli 2010: Erste Drohnen! Mittlerweile gibt es > 100 Arbeiterinnen im Nest und auch die ersten Drohnen lassen sich blicken. Jungköniginnen gibt es noch keine. Die Altkönigin habe ich heute nicht gesehen, allerdings gibt es neue Kokons und Larven von weiteren Jungköniginnen. Vermehrt sitzen nun auch Wächterinnen im Eingangsbereich zum Nest. Durch die Hitze ventilieren viele Hummeln flügelschlagend auf dem Nest. In den kommenden Tagen soll es noch heißer (33-37 °C) werden, weshalb ich mit Kühlakkus die Kühlung im Kasten unterstützen werde. Zudem wird mittels Laborduranglas zugefüttert.

 

Blick aufs Nest

 

weitere große Larven von Jungköniginnen

 

 

links: Arbeiterinnen sitzen zur Kühlung flügelschlagend auf dem Nest, rechts: einer der ersten Drohnen

 


13. Juli 2010: Erste Jungkönigin! Heute habe ich beim Öffnen des Nestes die erste Jungkönigin entdeckt. Sie war noch weiß und unausgefärbt. Zu meiner Freude entdeckte ich auch die Altkönigin, sie scheint immer noch wohlauf zu sein. Im Nest gibt es zahllose Kokons von Geschlechtstieren, vor allem Jungköniginnen. Weiterhin existiert Brut in jedem Entwicklungsstadium, betreut von 100-110 Arbeiterinnen. Bemerkenswert ist, dass trotz Höhepunkt die Kolonie sehr friedlich ist. Zwar gibt es Wächterinnen, bei denen man etwas aufpassen muss, aber die bewachen vor allem den Eingang und die Laufröhre. Insgesamt ist bei vorsichtigem Umgang nicht mal ein Imkerschleier oder Handschuhe notwendig, eine Eigenschaft, die ich bei den anderen Erdhummelarten so nie beobachten konnte. Dunkle und Helle Erdhummel sind im Nestbereich wesentlich aggressiver als die Kryptarum-Erdhummel. Die Hitze der letzten Tage haben die Tiere gut überstanden, es gab kaum Larvenauswürfe. Allerdings habe ich, wie angedeutet, auch die Kühlung mit Akkus unterstützt.

 

Blick aufs Nest

 

 

links: Jungkönigin, rechts: Altkönigin

 


16. Juli 2010: Höhepunkt! Das Volk ist auf seinem Entwicklungshöhepunkt angekommen. Neben 105-110 Arbeiterinnen bewohnen nun viele Jungköniginnen und Drohnen das Nest, die Gesamtvolkstärke dürfte bei ca. 150 Individuen liegen, was einer sehr guten Entwicklung bei der Kryptarum-Erdhummel entspricht (maximale Volkstärke laut Literatur). Die Wärme treibt viele Arbeiterinnen auf das Nest zum Ventilieren. Dort lassen sich auch viele große Jungköniginnen und Drohnen blicken. Ebenso gibt es weiterhin Brut in jedem Entwicklungsstadium und die Altkönigin ist weiterhin vital.

 

 

Blick in den Nistkasten, neben vielen ventilierenden Arbeiterinnen tummeln sich zahlreiche Geschlechtstiere

 

 

Jungköniginnen auf dem Nest

 

Blick in einen Bereich des Nestes - auch hier tummeln sich Jungköniginnen und Drohnen, es gibt weiterhin Brut in jedem Entwicklungsstadium...

 


17./18. Juli 2010: Hoher Flugbetrieb von Jungköniginnen! Vor allem gegen Mittag fliegen mittlerweile zahllose Jungköniginnen aus und ein. Sie fliegen ab zur Paarung und zu Entdeckungsflügen, kehren aber zum Fressen und für die Nacht noch zum Mutternest zurück. Weiterhin füttere ich über ein Laborduranglas zu, was sehr gut angenommen wird. Teilweise verbrauchen die Tiere binnen eines Tage den gesamten Inhalt.

 

Arbeiterinnen und Jungkönigin beim Trinken am Laborduranglas

 

Jungkönigin beim Anflug

 

Drohn der Kryptarum-Erdhummel mit breiter Binde auch unterhalb des Flügelansatzes

 

weitere Jungkönigin am Nesteingang

 


24. Juli 2010: Weiterhin fliegen zahlreiche Jungköniginnen. Neben etwa noch 80-90 Arbeiterinnen ist die Altkönigin weiterhin aktiv, ebenso gibt es noch viel Brut im Nest. Aufgrund von Dauerregen ist der Zuckerwasserverbrauch nochmals gestiegen, auch Jungköniginnen helfen in den Regenpausen bei der Nektar- und Pollenbeschaffung.

 

Jungköniginnen im Nest, links die Altkönigin mit Spiegelglatze

 


8. August 2010: Nach starkem Dauerregen in den vergangenen Tagen herrscht Hochwasser. Mittlerweile hat der Regen allerdings nachgelassen und es wird wieder intensiv ausgeflogen. Die Altkönigin ist weiterhin aktiv und es schlüpfen immer noch Geschlechtstiere. Allerdings stirbt mittlerweile ein nicht unerheblicher Teil der Kokons nach dem Verpuppen ab. Beim Öffnen solcher Kokons konnte ich 1-3 kleinere Fliegenmaden entdecken, welche die Hummellarve oder -puppe auffraßen. Da die Volkstärke (noch 50-60 Arbeiterinnen) immer weiter abnimmt, haben Parasiten eine immer bessere Chance, ins Nest einzudringen. Dazu gehören auch verschiedene Fliegenarten, welche die Wachsmottenklappen mit den Hummelarbeiterinnen überwinden können! Um welche Fliegenart es sich bei den befallenen Kokons handelt, ist noch unklar. Ebenfalls gibt es erste Wachsmottenlarven im Nest, welche es trotz Wachsmottenschutz in den Kasten geschafft haben.

 

Jungkönigin am Nest - weiterhin gibt es Geschlechtstiere

 


14. August 2010: Wachsmotten und massiver Fliegenbefall! Durch den Fliegenbefall sind mittlerweile fast alle Puppen abgestorben, nur noch wenige Jungköniginnen kommen zum Schlupf. Aufgrund beider Parasiten habe ich das Nest nochmals in eine neue, saubere Nestumgebung umgesetzt und das alte Material enfernt, ebenso wie offensichtlich befallene Kokons. 30-40 Arbeiterinnen sowie 4-5 Jungköniginnen konnte ich dabei neben der weiterhin aktiven Altkönigin zählen. Die befallenen, entfernten Waben und Tönnchen wurden nachfolgend noch ausgezählt, um später eine Bilanzierung zu ermöglichen.

 

Blick auf den oberen Bereich des Nestes

 

parasitäre Fliegenmaden (2 im Bild) in den Hummelkokons - hier ist die Hummellarve bereits fast komplett aufgefressen worden

 


28. August 2010: Durch das Entfernen der von Fliegenlarven befallenen Kokons und der Wachsmotten durch Tausch des Nistmaterials konnte die weitere Entwicklung des Nestes nochmals verbessert werden. Die Altkönigin ist altersbedingt um den 20. August herum gestorben, nachdem sie für zahlreiche Geschlechtstiere gesorgt hat. Momentan leben noch 4 Jungköniginnen im Nest, neben etwa 25 Arbeiterinnen. Weiterhin entwickelt sich viel Brut im Nest, wobei es sich ausschließlich um Drohnenbrut handelt, welche von den dominanten Arbeiterinnen stammt, die mehr und mehr die Herrschaft der Altkönigin im Laufe des Monats abgelöst haben.

 

weiterhin gibt es Brut und Betriebsamkeit im Nest

 


18. September 2010: Zahlreiche neue Drohnen sind geschlüpft und verlassen seit Tagen nach und nach das Nest. Die letzten Jungköniginnen haben das Nest ebenfalls bereits verlassen, nachdem sie in den letzten Wochen auch bei der Nahrungsbeschaffung geholfen haben.

 

zahlreiche Drohnen tummeln sich im Nest

 


03. Oktober 2010: Noch 4 Arbeiterinnen bewohnen das Nest, alle Geschlechtstiere sind abgeflogen. In den letzten Wochen sind nochmals viele Drohnen aus der Kolonie hervorgegangen. Mittlerweile existiert allerdings keine Brut mehr und die verbliebenen Arbeiterinnen sitzen quasi arbeitslos im Nest. Auch Ausflüge tätigen diese Arbeiterinnen kaum noch.

 

herbstliche Morgenstimmung

 


10. Oktober 2010: Bilanz! Nachdem das Nest nun vollkommen verlassen wurde, habe ich die restlichen Kokons ausgezählt. Neben über 580 kleinen Kokons von Arbeiterinnen- und Drohnenbrut konnte ich 249 große Königinnenkokos zählen. Allerdings hat der Fliegenbefall einen massiven Ausfall bewirkt. So kamen davon nur 133 Königinnen erfolgreich zum Schlupf, 116 Kokons blieben geschlossen. Auch kleine Kokons von vorrangig Drohnen wurden befallen, allerdings war deren Anteil nicht so hoch wie bei den Jungköniginnen. Letztlich sind nur 53 % der möglichen Königinnen geschlüpft! Vergleichbare Beobachtungen von derartig befallenen Kokons kann man fast jedes Jahr gerade bei Erdhummeln machen, allerdings ist der Befall dieses Jahr besonders markant. Möglicherweise hängt es auch mit dem schlechten Wetter im Frühjahr zusammen, wodurch nur wenige Hummelkolonien zur Entwicklung kamen, sodass der Parasitenbefall sich auf nur wenige Nester verteilen konnte, die daher wiederum umso stärker befallen wurden. Dennoch ist selbst das Resultat von 133 Jungköniginnen sehr erfreulich, gerade da es so gut wie keine Jungköniginnen mit Fehlentwicklungen gab (nicht selten treten sonst auch Königinnen mit verkrüppelten Flügeln auf). Die beobachteten geschlüpften Jungköniginnen und Drohnen waren nahezu alle kräftig und gesund. Trotz des Fliegenbefalls sollten damit mehr als genug Königinnen für die kommende Saison übrig bleiben, was gerade in Hinblick auf diese eher seltene Art erfreulich ist. Beim Säubern des Kastens habe ich > 150 Fliegenkokons meist tief im Einstreu gefunden. Möglicherweise handelt es sich hierbei um die Puppen der parasitisch lebenden Fliege. Zu deren näheren Identifizierung wurden die Kokons gesammelt und deren Schlupf abgewartet. Parallel wurden bereits in den Vorwochen Fliegenmaden aus den befallenen Kokons abgesammelt, welche sich später auch erfolgreich verpuppten und die selben Kokons formten, wie sie nun beim Reinigen des Kasten anfielen. 2 Kokons habe ich nach Inkubation auf der Heizung bereits im November zum Schlupf gebracht. Das erste Ergebnis der Bestimmung: Brachicoma devia. Mehr zur Entwicklung und Lebensweise dieser Fliege soll im Laufe des Winters auf der Homepage erscheinen, nachdem ich das Material aus dieser Saison ausgewertet habe und weitere Tiere geschlüpft sind. Gerade dieses Jahr hat sich gezeigt, dass dieser Parasit durchaus ein hohes Schadpotenzial aufweist, allerdings bisher kaum Beachtung fand.

 

 

links: Fliegenkokons - rechts: Imago (geschlüpft), wahrscheinlich Brachicoma devia

 

Das Tagebuch 2010 ist damit geschlossen...

 

 

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