11.06.2019, Siebenlehn - Umsiedlung einer Hornissennestgründung

 

Die erste, frühe Hornissenumsiedlung im Jahr 2019 fand am 11. Juni statt. Bei Bauarbeiten an einem Dach in Siebenlehn bei Nossen war ein Anfangsnest der Hornisse entdeckt worden. Also wurden wir angerufen und versuchten, die Umsiedlung möglichst schnell abzuwickeln.


11.06.2019 – Tag der Umsiedlung


Die Königin war am Tag der Umsiedlung noch allein auf ihrer Wabe und noch keine Arbeiterinnen waren vorhanden. Der Schlupf der ersten Arbeiterinnen sollte auch noch etwas dauern, da die Zellen im Zentrum der Wabe noch nicht einmal verdeckelt waren (also es waren noch keine Puppen im Nest). Normalerweise wartet man bei Umsiedlungen, bis Arbeiterinnen da sind. Aber ein weiterer Bauaufschub war hier nicht möglich. Daher haben wir die Königin vorsichtig abgefangen und die Wabe geborgen. Das Nest haben wir nachfolgend in einen Hornissenkasten eingeklebt. Am Aussiedlungsstandort haben wir dann vorsichtig die Königin wieder auf ihr Nest krabbeln lassen. Für die Königin gab es im Fanggefäß Bienenfutterteig zur Verköstigung und auch um das Nest im Nistkasten haben wir – vor dem Zusetzen der Königin - noch Bienenfutterteig verteilt, damit die Königin einen kleinen Vorrat hat und sich besser an die neue Umgebung gewöhnen kann. Mit der Fluglochfreigabe war die Umsiedlung für uns erstmal beendet. Ob sich die Königin nun gut an die neue Umgebung gewöhnt, wird sich zeigen.

 

Blick in den Dachaufbau, in welchem das Nest bei Dachbauarbeiten entdeckt wurde...

 

Das allein von der Königin gebaute Nest - die Königin muss auch noch allein ihren Nachwuchs versorgen...

 

Nach dem Abfangen der Königin wird das Nest entnommen - hier ein Blick in die Zellen mit den Hornissenlarven. Daraus werden die ersten Arbeiterinnen...

 

Das Nest wird nun in einen Hornissenkasten eingeklebt...

 

Auch die Hülle haben wir versucht zu erhalten und wieder mit zu verbauen. Danach wird der Kasten um 180 Grad gedreht und die Königin darf wieder auf ihr Nest. Anschließend kann sie sich am neuen Standort einfliegen...


16.06.2019 – 1. Nachkontrolle


Heute haben wir wieder nach dem Nest geschaut. Die Königin ist wohlauf und saß auf ihrer Wabe. Zudem hat sich die Brut weiterentwickelt und sieben Zellen im Zentrum der Wabe sind nun verdeckelt – also die Larven sind hier bereits in die Puppenruhe gegangen. Nach einigen Tagen werden aus diesen verdeckelten Zellen die Arbeiterinnen schlüpfen. Damit ist die Umsiedlung erfolgreich verlaufen. Bleibt nun zu hoffen, dass die Königin die gefährliche Zeit allein bis zum Schlupf der ersten Arbeiterinnen überlebt und nicht bei ihren Ausflügen irgendwo verunglückt. Zudem gibt es mit dem Erscheinen der ersten Arbeiterinnen manchmal auch noch Kämpfe mit fremden Königinnen, welche selber ihr Nest verloren haben und dann versuchen, andere Nester zu übernehmen. Es gibt also noch einige Gefahren für die kleine Kolonie.

 

Die Königin hat die Umsiedlung gut überstanden. Auch die Brut hat sich weiterentwickelt und verdeckelte Zellen sind im Zentrum der Wabe sichtbar...

 

24.06.2019 – 2. Nachkontrolle

 

Bei der Hornissenkönigin scheint noch alles in Ordnung zu sein. Mittlerweile sind 10 Zellen im Zentrum der Wabe verdeckelt und die Königin hat sowohl die Nesthülle als auch die Wabe mit ihren Zellen erweitert. Da die verbaute Papiermasse nun deutlich heller ist als am früheren Neststandort, kann man schön die neu gebauten Bereiche erkennen. Ein paar Larven wurden von der Königin aber auch entfernt. Die restliche Brut hat sich aber gut weiterentwickelt und neue große Larven stehen kurz vor der Verpuppung.

 

Die Hornissenkönigin auf ihrem Nest - man erkennt schön die helleren Papierbereiche am Nest (die Königin hat am neuen Neststandort helleres Baumaterial gefunden als am früheren Neststandort), die nach der Umsiedlung neu dazugekommen sind...

 

25.06.2019 – erste Arbeiterinnen

 

Die ersten beiden Hornissenarbeiterinnen sind geschlüpft! Noch halten sich die beiden Arbeiterinnen aber nur im und am Nest auf, Ausflüge wird es erst in 2-3 Tagen geben. Die Königin wird auch in den nächsten Tagen noch mit ausfliegen und erst nach und nach ihre Flugaktivität reduzieren - bis sie dann irgendwann gar nicht mehr das Nest verlässt. Bis dahin wird es aber noch einige Zeit dauern.  

 

Die Hornissenkönigin ist nun nicht mehr allein - die ersten beiden Arbeiterinnen sind geschlüpft. Im Bild die Königin (rechts) neben einer Arbeiterin...

 

05.07.2019 – Mottenbefall!

 

Bei dem Hornissennest gibt es nach dem Schlupf der ersten vier Arbeiterinnen nun leider eine negative Wendung. Mittlerweile wurde viel Brut aus dem Nest geworfen und die Waben im Zentrum zurückgebaut. Beim genauen Blick auf die freigelegten Brutwaben erkennt man auch den Grund: Wachsmottenlarven oder Larven der Dürrobstmotte haben das Nest befallen! Ein solcher Befall kommt leider immer wieder vor, gerade bei kleinen und schwächeren Nestern. Dieses Jahr scheinen vermehrt Nester betroffen zu sein, da sich die Kolonien durch den kalten Mai verspätet entwickelt haben und der sehr warme Juni den Parasiten, also den Motten, sehr entgegen kam. Die besagten Motten brauchen warme Nächte zur Verpaarung und für das Eindringen in die Nester. Und genau die gab es in großer Zahl im Juni. Die noch kleinen und daher noch recht schutzlosen Nester wurden dadurch vermehrt von diesem Parasiten befallen. Von Hummeln kennt man das Problem mit Wachsmotten sehr häufig, doch auch bei Wespen und Hornissen können Wachsmotten sowie die Dürrobstmotte viel Schaden anrichten. Den Nestern selber kann man nicht helfen, da die Larven der Motten sich bevorzugt in den verdeckelten Zellen bewegen oder unter den dicken Hornissenlarven in den Zellen. Die Hornissen erkennen den Befall zwar und versuchen die Waben zu öffnen sowie die befallene Brut zu beseitigen und an den Schädling zu gelangen, aber die Mottenlarven verstecken sich blitzschnell in Nachbarzellen oder am Grund der Zellen. Sie sind daher fast nicht angreifbar. Die meisten Völker, die in einem so frühen Stadium befallen werden, geben irgendwann auf. Es ist leider zu erwarten, dass auch dieses Nest in Kürze aufgegeben wird. Das ist sehr ärgerlich, zumal sich das kleine Volk erst vielversprechend entwickelte und die Umsiedlung gut überstanden hatte, aber leider ist man – im Gegensatz zu Hummeln – hier recht machtlos gegen diesen Parasitenbefall. Er zeigt aber auch deutlich, wie das Wetter im Frühjahr auch den Entwicklungserfolg solcher Kolonien mit beeinflussen kann, und zwar auch indirekt über die Förderung von schädlichen Parasiten. Und leider ist auch die sonst wehrhafte Hornisse gegen diese Art von Bruträuberei machtlos.

 

Blick auf das Nest - die Brut im Zentrum der Wabe wurde vernichtet bzw. von den Hornissen entfernt...

 

Den Grund erkennt man erst bei genauem Hinsehen: Larven der Wachsmotte oder - hier wahrscheinlicher - der Dürrobstmotte (siehe rote Pfeile) haben das Nest befallen. Der Bruträuber fällt gut geschützt in der Wabe über die Larven und Puppen der Hornissen her...

 

Dokumentation wird bei Gelegenheit weiter aktualisiert!

 

 

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