Umsiedlung von Wespen auf dem Friedhof in Gelenau -18/19.07.2021

 

(Sächsische Wespe)

 

Die erste Wespenumsiedlung in der laufenden Saison führte uns nach Gelenau. Dort war bei Heckenschnittarbeiten im Friedhofsgelände ein Wespennest entdeckt worden, welches an der Unterseite eines an der dortigen Kirche befindlichen Gerüstes errichtet wurde. Nun sollte aber das Gerüst abgebaut werden, weshalb das Nest dort schnell entfernt werden musste. Da wir am Wochenende erst davon erfahren hatten und unglücklicherweise an diesem Wochenende auch nicht da waren, konnten wir nur Sonntag in der Nacht aktiv werden, bevor Montag bereits sehr früh der Gerüstabbau starten sollte.

 

18.07.2021 und 19.07.2021 – Die Umsiedlung...


Also ging es für uns am Sonntag, dem 18.07., gegen 23 Uhr auf den Friedhof nach Gelenau. Wir konnten das Nest rasch finden dank der guten Beschreibung des Friedhofswärters. Es handelte sich um ein recht gut entwickeltes Nest der Sächsischen Wespe. In einer solch schwachen Wespensaison wie in diesem Jahr ist es wichtig, jedes gut entwickelte Nest auch zu erhalten. Folglich machten wir uns ans Werk. Mit einer Lampe, die mit einer roten Folie abgedunkelt war, leuchteten wir den Neststandort aus. Helleres Licht animiert die Tiere zum rascheren Abfliegen, weshalb hier rotes Licht hilfreich ist. Da wir Sonntag Nacht nicht mittels Staubsauger und Fangbox arbeiten konnten, versuchten wir einen anderen Weg. Wir bereiteten den Nistkasten, in welchen das Nest eingebracht werden sollte, vor und brachten Bienenfutterteig im Kasten ein. Dieser sollte die Tiere bis zum kommenden Morgen versorgen. Zudem platzierten wir einen großen Klecks Heißkleber am Kastendeckel. Danach verstopften wir mit Kapok-Nistwolle den Nesteingang unten am Wespennest (damit die Tiere nicht rausfliegen konnten) und schnitten das Nest vom Gerüst ab. Schnell setzten wir es auf den Heißkleber. Ein paar Arbeiterinnen schafften dennoch den Abflug von der Schnittfläche des Nestes. Nachdem wir den Kasten samt eingeklebtem Nest rasch verschlossen hatten, fingen wir die Wespen ein, die zuvor abgeflogen waren. Diese flogen meist Richtung Lichtquelle und ließen sich daher leicht wieder einfangen. Einige saßen auch an unserer Schutzkleidung, von der wir die Tiere auch gut absammeln konnten. Danach packten wir alles zusammen und fuhren erstmal nach Hause.

 

Der Neststandort unter dem Gerüst...

 

Blick auf das schön entwickelte Nest der Sächsischen Wespe, welches dringend umgesetzt werden muss...

 

Aufbau der Lichtquelle...

 

Der Umsiedlungskasten wird vorbereitet...

 

Dort hinein kommen die Wespen...

 

Der Nesteingang wird mit Wolle verschlossen...

 

… und anschließend das Nest mittels Messer entfernt sowie in den Kasten eingeklebt...

 

Abgeflogene Tiere werden noch eingefangen und dann geht es erstmal zurück nach Hause...


Am kommenden Morgen (19.07.) siedelten wir das Nest dann im Garten aus. Dazu wurde der Kasten an einer geeigneten Stelle aufgehängt und nach einer Beruhigungszeit vorsichtig geöffnet, wobei der Kasteneingang, später eine ganze Seite des Kastens geöffnet wurde. Die Tiere flogen sich nun gut ein. Danach wurden die separat abgefangenen Tiere wieder dem Nest zugesetzt, indem die Fanggefäße unter dem Nest und direkt am Kasten platziert wurden. Zudem haben wir noch zwei Querstege unter dem Nest eingeklebt, damit das Nest noch mehr Stabilität bekommt. Anschließend haben wir die offene Seite des Kastens noch mit Gaze geschlossen und für Vögel unzugänglich(er) gemacht. Die Lichtbedingungen waren damit wieder ähnlich wie zuvor am Gerüst, wenngleich man die Sächsische Wespe auch in einen dunklen Kasten setzen könnte.

 

Der aufgehängte Umsiedlungskasten, nachdem bereits die Tür geöffnet und mit Gaze versehen wurde...

 

Unter das Nest wurden noch zwei Holzstege eingeklebt, die zusätzliche Stabilität verleihen...

 

Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt...

 

Am Nachmittag wird bereits wieder am Nest gebaut, die Tiere haben die Umsiedlung gut überstanden...


Damit war die Umsiedlung beendet und die Tiere hatten sich bereits bis zum Nachmittag gut am neuen Standort eingelebt. Einige Arbeiterinnen waren sogar bereits wieder mit der Nesterweiterung beschäftigt. Da die kommenden Tage eher kühl werden sollten, haben wir diesmal auch die Nesthülle komplett erhalten müssen – was auch gut gelang. Der im Kasten bereitgestellte Bienenfutterteig hilft den Tieren nun auch noch bei der weiteren Eingewöhnung. Nun schauen wir mal, wie sich das Volk weiterentwickelt. Eigentlich ist hier schon bald mit dem Höhepunkt und dem Freisetzen der Geschlechtstiere zu rechnen.

 

22.07.2021 - Nachkontrolle

 

Heute haben wir wieder nach dem Nest gesehen. Das Volk hat die Umsiedlung gut überstanden und reger Flugverkehr ist vorhanden. Auch wurde die Nesthülle erweitert und es wird viel Beute eingeflogen. Einen Drohn haben wir heute am Flugloch entdeckt, es sind also auch Geschlechtstiere im Nest. Dem Nest dürften etwa 70-100 Arbeiterinnen angehören.

 

Blick von unten auf das Nest - man sieht schön, dass im Vergleich zum 19.07. (letztes Bild von der Umsiedlung) das Nest erweitert wurde...

 

Die weitere Nestentwicklung wird hier von Zeit zu Zeit dokumentiert...

 

 

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