11.09.2019, Olbernhau - Späte Hornissenumsiedlung aus Baustelle

 

Die nächste Hornissenumsiedlung - mittlerweile die Nr. 17 im Jahr 2019 - führte uns nach Olbernhau ins Erzgebirge. Normalerweise sollte man jetzt im September nur noch in absoluten Ausnahmefällen Nester umsetzen, da mittlerweile der Höhepunkt erreicht ist und in den Kolonien zahlreiche Geschlechtstiere leben. Zudem kommen jetzt kaum noch neue Arbeiterinnen nach und mögliche Verluste können nicht mehr ausgeglichen werden. Da die Geschlechtstiere nun auch die Aufmerksamkeit der Arbeiterinnen fordern, sind Nestreparaturen (gerade der Nesthülle, die jetzt im kühleren Herbst aber sehr wichtig ist) und das Neuorientieren am Aussiedlungsstandort für die Tiere weiteraus stressiger als sonst. Ebenso setzen die bereits oft kühleren Nächte die Tiere unter Druck, da diese das Nest trotzdem warm halten müssen. Auch für uns sind die Umsiedlungen nun schwieriger, da die Nester oft sehr volkstark sind und man keine Geschlechtstiere verlieren darf. Zudem muss die Nesthülle erhalten oder provisorisch nachgebaut werden, damit die Tiere in kühlen Nächten keine Brutverluste erleiden. Durch die wieder kürzeren Tage wird es auch schneller dunkel, wodurch die Aussiedlung auch stressiger wird oder man die Tiere erst am Folgetag freilassen kann. Oft ist nun auch eine intensivere Nachpflege notwendig, wobei mehrfach mit Bienenfutterteig unterstützt werden sollte. Da im Laufe des Oktobers die Nester dann aber ohnehin langsam wieder absterben, sollten Beratungen nun immer auf den Erhalt der Nester für diese letzten Wochen am alten Standort abzielen.


Nun war aber der hier beschriebene Fall genau einer dieser Ausnahmefälle. Genauer ging es um eine Baustelle, wobei hier die Arbeiten im Sommer zugunsten des Ausbaus einer Schule in der Ferienzeit unterbrochen werden mussten. Diese Ruhezeit nutzte ein Hornissenvolk, um hier in den Dachboden des im Umbau befindlichen Hauses umzuziehen (Filialbildung). Als dann vor einigen Tagen die Arbeiten wieder aufgenommen werden sollten, um vor dem Winter fertig zu werden, wurde das große Nest entdeckt. Das Nest konnte also nicht bis Ende Oktober/Anfang November, also bis zum natürlichen Absterben des Volkes, an seinem Standort bleiben und eine Abtötung sollte ohnehin immer vermieden werden. Das Ergebnis war also doch noch eine späte Umsiedlung nun Mitte September. Die Umsiedlung führten wir schließlich am 11.09. nach der Arbeit am Nachmittag durch.


11.09.2019 - Tag der Umsiedlung


Heute haben wir die Umsetzung des großen Hornissenvolkes durchgeführt. Über 350 Hornissenarbeiterinnen bewohnten Bau. Das Volk war also ziemlich stark und viele Geschlechtstiere krabbelten ebenfalls im Nest herum. Nach unten hin wurde hier sehr viel Nesthülle gebaut. Die Waben befanden sich lediglich in der oberen Hälfte des Nestes. Die Tiere waren hier selbst in direkter Nestnähe sehr friedlich und wir konnten 1 m vom Nest entfernt dem regen Treiben zuschauen, ohne das die Tiere Notiz von uns nahmen.

 

Das große Hornissennest auf dem Dachboden des im Umbau befindlichen Hauses...


Im ersten Schritt der Umsiedlung wurden zunächst mittels Saugmethode wieder die Arbeiterinnen abgefangen. Das dauerte bei der Volkstärke schon eine Weile. Inzwischen arbeiteten wir auch am Nest weiter. Hier entfernten wir die Nesthülle in großen Stücken und kontrollierten diese immer auf die Anwesenheit von Geschlechtstieren, die wir vorsichtig wieder auf das Nest zurücksetzten und die sich dann im Wabenbau versteckten. Die Nesthülle selber versuchten wir in großen Stücken zu erhalten, da wir diese wieder in den Nistkasten zur besseren Dämmung (immerhin haben wir ja schon Herbst und einige Nächte sind bereits recht kühl) einbauen wollten. Irgendwann kamen dann 7 zum Teil ziemlich große und fast lückenlos belegte Wabenetagen zum Vorschein.

 

Vorsichtig werden zunächst die Hornissenarbeiterinnen abgefangen...

 

Der Einflugbereich zum Hornissennest...

 

Nach Entfernung des unteren Teils der Nesthülle werden die Waben sichtbar, hier ein Blick von unten auf den Wabenbau...

 

Hier sieht man den eigentlichen Wabenbau noch etwas besser. Die Hälfte des Nestes bestand nach unten hin nur aus Nesthülle...

 

Die Waben sind nahezu lückenlos mit Brut belegt...


Vorsichtig trennten wir den Wabenbau von der Unterseite der Holzbretter am Dach ab. Es ist immer wieder beachtlich, wie stabil so ein Nest aufgehängt ist und was für ein hohes Gewicht so ein Wabenbau voller Brut hat. Leider passte der Wabenbau aufgrund der Breite der Wabenetagen nicht in den Nistkasten. Um keine Zellen abschneiden zu müssen und die Waben so passend zu machen, drehten wir den Nistkasten um 90 Grad und trennten lediglich den Wabenbau entlang einer der Gassen in zwei Teile. Beide Stücke konnten nun quasi ohne Verluste an Zellen in den Nistkasten eingebaut werden. Um die Waben herum bauten wir nun noch aus den Stücken der Nesthülle wieder eine provisorische Nesthülle, damit die Tiere das Nest weiterhin gut warmhalten können. Anschließend wurden letzte Nachzügler abgefangen und es ging mit Nistkasten und den Hornissen in der Fangbox zum 6 km entfernten Aussiedlungsstandort.

 

Der Wabenbau wird entlang einer der Gassen in zwei Teile getrennt und beide Stücke kommen in den um 90° gedrehten Nistkasten - so können quasi alle Zellen erhalten werden...

 

Die zuvor abgenommenen Nesthüllstücken werden nun noch um die Waben herumgebaut...

 

Das fertige Konstrukt im Nistkasten - die Waben sind so bereits wieder einigermaßen gedämmt und die Tiere müssen nicht die gesamte Nesthülle neu ersetzen...

 

Mit dem Nest im Nistkasten und den Hornissen in der Fangbox (Bild) geht es zum Aussiedlungsstandort...


Am Aussiedlungsstandort wurde der Nistkasten quer zur üblichen Ausrichtung an einem Baum aufgehängt und der Fangkasten seitlich eingeschoben. Eine Klappe wurde geöffnet, wodurch die Hornissen aus der Fangbox wieder auf das Nest krabbeln konnten. Kurz danach wurden die Fluglöcher freigeben und die Tiere konnten sich neu einfliegen. Zur besseren Eingewöhnung gab es noch eine große Portion Bienenfutterteig. Danach ging es für uns erst einmal nach Hause.

 

Nach dem ersten Einfliegen am Abend: Betriebsamkeit am Nistkasten...


13.09.2019 - Fangboxentnahme und Nachkontrolle


Heute haben wir noch die Fangbox entnommen und gegen eine einschiebbare Seitenwand ausgetauscht. Die Nachkontrolle des Nestes ergab guten Flugverkehr und auch im Kasten war alles in Ordnung und viele Geschlechtstiere saßen zwischen den Waben. Zur Beruhigung und Unterstützung gab es nochmal zwei große Portionen Bienenfutterteig. Nun hoffen wir, dass das Volk noch viele hundert Geschlechtstiere freisetzen kann und das Wetter durchhält. Viele verdeckelte Zellen mit Geschlechtstieren, die in den nächsten Tagen und Wochen noch schlüpfen werden, gibt es hier im Nest ja noch.

 

Nachkontrolle und Fangboxentnahme - die Tiere haben die Umsiedlung gut überstanden...

 

Nach dem Schließen des Kastens gibt es noch etwas Bienenfutterteig, der gierig angenommen wird...

 

Fütterung der "Raubtiere" im Detail ;)

 

19.09.2019 - Kaltes Wetter und Zufütterung


Mittlerweile liegen einige recht kalte Tage hinter uns, wobei tagsüber 10-12°C, nachts aber Temperaturen von 2-6°C erreicht wurden. In sehr ungünstigen Lagen gab es auch bereits Luftfrost, öfters aber Bodenfrost. Normalerweise können Hornissen solchen Temperaturen über eine gewisse Zeit hinweg noch ganz gut trotzen, aber die zuletzt umgesetzten Völker haben wir heute dennoch etwas unterstützt. So gab es auch für das Nest aus Olbernhau eine größere Portion Bienenfutterteig. Bei Ankunft am Nest war trotz kühler Temperaturen Flugverkehr vorhanden. Die Tiere flogen schwerfällig an, waren also gut mit Baumsäften beladen - der Hauptkohlenhydratquelle der Hornissen. Der anschließend bereitgestellte Bienenfutterteig wurde jedoch sehr gierig angenommen. Man merkt, dass die Tiere derzeit schon mit der Nahrungsbeschaffung und den Temperaturen zu kämpfen haben. Und insbesondere bei spät umgesiedelten Nestern ist eine Nachsorge, also Unterstützung der Nester mit Futter (gerade wenn es kalt wird), oft lebenswichtig. In den kommenden Tagen soll es dann langsam wieder wärmer werden und gutes Verpaarungswetter für die jungen Hornissenköniginnen und Drohnen deutet sich an.

 

Fütterung aufgrund des kalten Wetters...

 

Der Bienenfutterteig wird gierig angenommen. In den kommenden Tagen soll es dann wieder wärmer werden und weitere Geschlechtstiere können abfliegen...

 

05.10.2019 - Kaltes Wetter und Zufütterung


In den letzten Wochen sind zahlreiche Geschlechtstiere aus dem Nest hervorgegangen und abgeflogen. Seit dem 2. Oktober herrscht nun aber sehr kaltes und nasses Wetter. Teils gibt es Nachtfrost. Im Bereich des Nestes gab es sogar fast 2 Tage Dauerregen bei einstelligen Temperaturen. Kein Wunder, dass gerade dieses Volk deutlich unter dem Wetter leidet. Heute war bei der Kontrolle am Nest kein Flugverkehr mehr erkennbar. Daher haben wir den Kasten geöffnet. Dort fanden wir noch zahlreiche Geschlechtstiere und auch Arbeiterinnen, die aber alle kältestarr waren. Alle Larven wurden in den letzten Tagen aus den Waben geworfen, was bei Nahrungsmangel im Herbst normal ist, gerade bei anhaltend schlechtem Wetter. Allerdings bricht so auch schnell das Leben im Nest zusammen, da die Larven durch Abgabe von Futtersaft auch die erwachsenen Tiere eine Zeit lang versorgen können. Dauert die Kälte aber zu lange oder sind die Larven im Herbst unterversorgt, so sterben diese recht schnell unter Schlechtwetterbedingungen ab und werden aus dem Nest geworfen. Damit aber verliert das Volk auch seine "Schlechtwetterversicherung". Um den noch vorhandenen Geschlechtstieren aber bei Wetterbesserung noch den Abflug zu ermöglichen, haben wir viel Bienenfutterteig zwischen den Waben im Kasten platziert, der auch recht schnell von den trägen Arbeiterinnen angenommen wurde. Dieser kann nun unter den Tieren verteilt werden und wird den Hornissen über die kalten Tage hinweghelfen. 

 

Der Bericht wird gelegentlich aktualisiert!

 

 

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