Umsiedlung von Hornissen aus der Kleinwaltersdorfer Kita -10.07.2020

 

Am 08.07. und 10.07. waren wir mal wieder aufgrund von Hornissen unterwegs. Diesmal führte uns ein Fall in die Kita in Kleinwaltersdorf bei Freiberg. Dort hatten sich Hornissen im unteren Teil der Haus-Fassade eingenistet. Da dieser Teil der Fassade direkt an das rege genutzte Außengelände anschloss, war hier eine Umsiedlung unumgänglich.


Am 08.07. schauten wir uns den Fall bereits an, da wir erstmal prüfen wollten, ob eine Umsiedlung hier überhaupt machbar ist. Die Hornissen flogen über einen Spalt in einer Ecke hinter die Fassade. Vorsichtig entfernten wir die Verblendung, hinter der Styroporplatten zum Vorschein kamen. Durch einen kleinen Spalt könnte man bereits erahnen, wo das Nest liegen würde. Eine Umsiedlung war durch Heraustrennen des Styropors also machbar. Provisorisch haben wir die Stelle zunächst wieder verschlossen, da die Umsiedlung erst 2 Tage später erfolgen sollte.


Nach der Klärung des Sachverhaltes mit dem Betreiber der Kita und einigen organisatorischen Abstimmungen konnten wir am 10.07. mit der eigentlichen Umsiedlung fortfahren.


10.07.2020 – Tag der Umsiedlung


Heute schauten wir am Nachmittag wieder in der Kita vorbei und führten die Umsiedlung durch. Die Verblendung wurde wieder entfernt und anschließend die Styroporplatte dahinter aufgeschnitten. In der Ecke dahinter kam dann das Hornissennest zum Vorschein. Bereits während der Arbeiten flogen Arbeiterinnen zur Verteidigung auf und wurden vorsichtig abgekeschert und in eine Fangbox mit Bienenfutterteig gesetzt. Insgesamt 23 Arbeiterinnen bewohnten bereits das Nest. Auf dem Nest, welches 2 Wabenetagen umfasste, verblieben nun nur noch 2 sehr junge Arbeiterinnen und die bereits nesttreue Königin. Beide Waben wurden vorsichtig entfernt (jede Wabe einzeln, sonst waren sie nicht aus dem Hohlraum herauszubekommen) und die beiden Arbeiterinnen und die Königin wurden vorsichtig mit den Waben in den Nistkasten umgesetzt. Dort wurden beide Waben nebeneinander eingeklebt. Nachfolgend wurde auch dort nochmal Bienenfutterteig neben dem Nest platziert. Der Hohlraum, in welchem sich das Nest zuvor befand, wurde wieder provisorisch verschlossen und danach ging es mit Nest und Hornissen zum Aussiedlungsstandort.

 

Der Neststandort im Kita-Gelände - hier dahinter verbirgt sich das Hornissennest; die Tiere krabbeln durch den Spalt in der Ecke hinter die Fassade...

 

Nach der Entfernung der Verblendung taucht eine Styroporverkleidung auf...

 

Hier sieht man das Schlupfloch zum Nest...

 

Nach dem Aufschneiden der Styroporplatte taucht das Nest auf...

 

Das Nest mit seinen 2 Wabenetagen, vorne ist eine junge Arbeiterin zu sehen, dahinter die Königin...

 

Die abgekescherten Hornissenarbeiterinnen in der Fangbox…

 

Die entnommenen Waben werden in den mitgebrachten Nistkasten eingeklebt und daneben wird eine große Portion Bienenfutterteig platziert...

 

Die Königin neben einer jungen Arbeiterin auf ihren Waben im neuen Domizil...

 

Damit war unsere Tätigkeit in der Kita beendet und es ging zur Aussiedlungsfläche...


Am Aussiedlungsstandort angekommen wurde der Nistkasten an einer geeigneten Stelle aufgehängt. Die Fangbox mit den Hornissenarbeiterinnen wurde nun im Nistkasten unter dem Nest platziert und von außen geöffnet. Im sonst noch geschlossenen Nistkasten konnten die Arbeiterinnen nun wieder auf ihr Nest krabbeln. Nach einer Beruhigungsphase wurde das Flugloch des Nistkastens geöffnet und bald darauf flogen sich die ersten Arbeiterinnen am neuen Standort ein. Nach einer Stunde schauten wir nochmal nach dem Nistkasten. Mittlerweile waren die Hornissen schon rege unterwegs und brachten bereits Nahrung von ihren Ausflügen mit. Etwas Bienenfutterteig platzierten wir auch noch direkt am Eingang, welcher gerne angenommen wurde. Damit war die Umsiedlung nun erstmal abgeschlossen. Am Folgetag sollte dann noch die Fangbox entnommen werden.

 

Der Hornissenkasten wird an einer geeigneten Stelle im Aussiedlungsgebiet angebracht und Nest und Arbeiterinnen werden wieder vereint...

 

Nach einer kurzen Beruhigungszeit wird das Flugloch freigegeben und die Tiere fliegen sich neu ein - hier haben wir am Flugloch auch nochmal etwas Bienenfutterteig platziert...

 

Die Tiere nehmen den Futterteig rege an und können sich so besser am neuen Standort einleben...


11.07.2020 – Fangboxentnahme


Heute haben wir am Abend die Fangbox aus dem Nistkasten entnommen. Dabei haben wir nochmal einen Blick auf die Waben geworfen. Das Volk scheint die Umsiedlung gut verkraftet zu haben und auch die Königin war munter auf den Waben zu beobachten. Eine neue Wabenetage wurde begonnen und bereits mit Eiern bestiftet. Nun drücken wir dem Volk die Daumen, dass es sich gut weiterentwickelt. Potenzial hat die kleine Kolonie, da sie viele verdeckelte Brutzellen hat und bald sollte die Volkstärke nach oben gehen. Im Vergleich zu vielen anderen Hornissennestern hat dieses Volk in diesem kalten Jahr aktuell bereits recht viel Brut im Nest. Hoffen wir mal, dass es sein Potenzial voll ausschöpfen kann.

 

Blick auf das umgesiedelte Nest kurz vor der Fangboxentnahme - hier schaut soweit alles gut aus...

 

24.07.2020 – Nachkontrolle

 

Das Hornissenvolk hat sich seit der Umsiedlung sehr schön weiterentwickelt. Insgesamt besteht das Nest aus 2 größeren Wabenetagen und einer 3. kleineren Etage. Etwa 50 Hornissenarbeiterinnen gehören dem Volk an und die Volkstärke wird jetzt immer schneller ansteigen. Auch die Altkönigin ließ sich immer wieder bei der Inspektion der Wabenzellen blicken. Fand sie eine leere Zelle, bestiftete sie diese Zelle mit einem Ei. Die Tiere blieben während der Nachkontrolle sehr ruhig und friedlich. Selbst das Öffnen der Kastentür wurde nicht als Störung empfunden. In den Nistkasten sind übrigens auch die ersten Hornissenkäfer eingezogen. Diese leben vornehmlich im Abfallhaufen des Hornissenvolkes. Zum Abschluss der Kontrolle gab es noch eine Portion Bienenfutterteig.

 

Blick auf das schön gewachsene Hornissennest...

 

Die Altkönigin auf der untersten Wabenetage...

 

Fütterung der "Raubtiere" am Nistkasteneingang...

 

06.08.2020 – Nachkontrolle

 

Das umgesiedelte Hornissennest entwickelt sind immer besser. Ca. 80-100 Tiere bewohnen schätzungsweise das Nest. Insgesamt gibt es mittlerweile 4 Wabenetagen, wobei bereits auf der 3. Etage Großzellen für Geschlechtstiere vorhanden sind. Es werden also bereits neue Jungköniginnen und Drohnen herangezogen. Die Altkönigin war auch oft auf den Waben zu beobachten. Sie inspizierte intensiv die neu gebauten Zellen. Das Volk verhält sich zudem sehr ruhig und lässt sich auch nah am Nest gut beobachten. Durch einen Schieber am Boden des Kasten kann man auch immer einen Blick auf das Nest werfen, ohne die Kastentür zu öffnen. Dadurch werden die Tiere nicht gestört. Zum Schluss gab es heute auch wieder eine kleine Portion Bienenfutterteig.

 

Das Hornissennest ist weiter gewachsen und besteht nun aus 4 Wabenetagen...

 

Fütterung am Nesteingang...

 

Selbst nah am Nest verhält sich - besonnenes und ruhiges Verhalten vorausgesetzt - dieses Volk sehr friedlich und es kann gut beobachtet werden...

 

15.08.2020 – Weitere Nachkontrolle; das Nest ist deutlich gewachsen...

 

Die Hornissen waren sehr fleißig und mittlerweile umfasst der Hornissenbau 5 Wabenetagen sowie eine begonnene 6. Etage. Der 10-minütige Flugverkehr lag am Abend bei ca. 150 Flugbewegungen. Insgesamt bewohnen etwa 200-230 Arbeiterinnen das Nest. Dieses Volk ist wirklich ruhig und durch eine verschließbare Öffnung unten am Kasten lassen sich die Tiere gut direkt am Nest beobachten. Kein einziges Tier reagierte aggressiv, als ich nah am Nest einige Aufnahmen mit dem Handy machte. Alle Tiere gingen entspannt ihrer Arbeit nach. Immer wieder konnte man heute an dem warmen Abend auch die sogenannte Hofstaatbildung beobachten. Dabei wird die Königin von mehreren Arbeiterinnen umringt und geputzt sowie rege mit Nahrung versorgt. Zwischen der Königin und diesen Arbeiterinnen finden sehr viele Interaktionen in der Zeit statt. Die Arbeiterinnen versuchen auf diese Weise die Königin bestmöglich zu versorgen, damit diese viele Eier legt. Gleichzeitig werden auf diese Weise verschiedene Pheromone übertragen. 

 

Blick auf das schön gewachsene Hornissennest...

 

Die Königin auf ihrem Nest - immer wieder versammeln sich mehrere Arbeiterinnen um die Königin, es kommt zur sogenannten Hofstaatbildung (siehe Text oben)…

 

26.08.2020 – Erste Jungköniginnen im Nest…


Das Hornissennest ist weiter gewachsen. Inzwischen gibt es 8 Wabenetagen und ca. 250-300 Hornissenarbeiterinnen bewohnen das Nest. Auch die Altkönigin ist weiterhin aktiv und bestiftet die Zellen. Mittlerweile gibt es auch die allerersten Jungköniginnen im Nest, welche durch ihre noch sehr helle und kontrastarme Farbe auffallen. Das Nest entwickelt sich sehr schön und in der Saison 2020, wo viele Hornissennester sehr klein geblieben sind, sind gerade solche Völker von großer Bedeutung. Zudem ist das Volk bei bedachtem Verhalten auch im direkten Nestumfeld sehr friedlich und gut beobachtbar.

 

Das Hornissennest ist binnen 11 Tagen deutlich gewachsen und erste Jungköniginnen bewohnen das Nest...

 

02.09.2020 – Bereits viele Jungköniginnen und Drohnen im Nest...


Das Hornissennest ist weiter gewachsen, obwohl die letzten Tage recht kühl waren und es auch zeitweise Dauerregen gab. Die bestehenden Etagen wurden deutlich in der Breite erweitert und die Nesthülle weiter ausgebaut. Zudem leben nun bereits recht viele Jungköniginnen und Drohnen im Nest. Auch die Altkönigin ließ sich heute immer wieder blicken und bestiftete mehrfach Zellen an den Rändern der unteren Wabenetagen. Insgesamt gab es heute gegen 14:05-14:15 Uhr insgesamt gut 240 Flugbewegungen am Nest, was auf etwa 350 Arbeiterinnen hindeutet. Das Volk verhält sich nach wie vor sehr friedlich und lässt sich bei ruhigem Verhalten auch nah am Nest sehr schön beobachten. Aufgrund des kühleren Wetters in den letzten Tagen haben wir auch eine Runde Bienenfutterteig am Eingang ausgegeben, was gerne angenommen wurde.

 

Blick auf das Hornissennest - im Zentrum der untersten Etage ist die Altkönigin zu sehen, darunter zwischen Wabe und Nesthülle befinden sich zwei Jungköniginnen...

 

Betriebsamkeit am Nesteingang und am dort platzierten Bienenfutterteig...

 

11.09.2020 – Zahlreiche Geschlechtstiere und weitere Fortschritte am Nest...


Das Hornissennest ist weiter gewachsen und umfasst nun 9 Wabenetagen. Zudem verstecken sich zahlreiche Jungköniginnen und Drohnen in den Lufttaschen der Nesthülle oder krabbeln im und am Nest umher. Auch die Altkönigin ist weiter aktiv und belegt neugebaute Wabenzellen mit je einem Ei. Kurz nach 14 Uhr waren heute etwa 200 Flugbewegungen am Nistkasten binnen 10 min zählbar, was grob geschätzt auf weiterhin ca. 300 Arbeiterinnen hindeutet. Nach wie vor ist das Volk sehr friedlich. Das Wetter soll in den kommenden Tagen sehr freundlich und spätsommerlich werden, was die Entwicklung des Nestes weiter unterstützen sollte.

 

Blick auf das weiter gewachsene Nest im Nistkasten...

 

Auf der Nesthülle finden sich zahlreiche Jungköniginnen und Drohnen...

 

Gerade in den Lufttaschen verstecken sich viele Geschlechtstiere...

 

16.09.2020 – Zahlreiche Geschlechtstiere und viel Betriebsamkeit am Nest


Die Zahl der Geschlechtstiere hat weiter zugenommen. Das Nest gehört in der diesjährigen Saison zu den stärksten Nestern, die mir dieses Jahr untergekommen sind. Viele Nester sind aufgrund des kalten Frühjahrs und Sommeranfangs recht klein geblieben. Immer noch liegt die 10-min-Flugrate hier mit ca. 160 Flugbewegungen (gegen 13 Uhr gezählt) recht hoch, was auf etwa 250 Hornissenarbeiterinnen hindeutet. Die Zahl der Arbeiterinnen nimmt mittlerweile aber langsam ab, der Höhepunkt ist erwartungsgemäß bereits überschritten. Dennoch ist die Altkönigin weiterhin oft beim Bestiften der neugebauten Zellen zu sehen. Auch neue Arbeiterinnen schlüpfen immer noch neben den zahlreichen Geschlechtstieren. Bisher hat auch kein nennenswerter Larvenauswurf eingesetzt, was sonst oft bei starken Nestern im Herbst zu beobachten ist. Das Nest scheint also auch noch sehr gut versorgt zu sein. Allerdings füttere ich bei meinen Besuchen auch immer mit etwas Bienenfutterteig zu, was den Tieren auch eine kleine Hilfe ist. Zudem ist das sommerliche Wetter derzeit sehr förderlich, da die Tiere weiter viel Beute finden. Auch in den nächsten Tagen soll es freundlich und oft sonnig bleiben. Nach wie vor verhält sich das Volk sehr friedlich und eignet sich wunderbar für Beobachtungen nahe am Nest.

 

Blick auf das Nest mit seinen zahlreichen Jungköniginnen und Drohnen, die sich vor allem auf der Nesthülle tummeln oder kopfüber in den Wabenzellen verstecken...

 

Hier sind viele Jungköniginnen in den Lufttaschen der Nesthülle erkennbar, in der Bildmitte auf der unteren Wabe auch die Altkönigin...

 

Fütterung der Hornissen am Nesteingang...

 

Weitere Nachkontrollen werden bei Gelegenheit durchgeführt und Infos sowie Aufnahmen dazu hier ergänzt!

 

 

© www.insektenstaaten.de / Dr. Michel Oelschlägel         Hier: Das insektenstaaten.de-Team stellt sich vor       Hier: Kontakt, Impressum und Datenschutz

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