Umsiedlung eines Baumhummelnestes aus einem Kindergarten
Über einen Schädlingsbekämpfer wurde ich auf ein Hummelnest in einer Kindertagesstätte aufmerksam gemacht. Da ich mir die Sache erst einmal aus der Nähe ansehen wollte, um auch die Hummelart bestimmen zu können, führ ich gemeinsam mit dem besagten Schädlingsbekämpfer am Nachmittag zu diesem Kindergarten. Das Nest war in einem Dachkasten angelegt worden, wobei kleine Spalten zwischen den Brettern und der Dachrinne den Tieren wohl als Einflugsmöglichkeit dienten. Es stellte sich schnell heraus, das es sich um Baumhummeln (eine besonders aggressive Hummelart) handelte. Da die Tiere schon mehrfach gestochen hatten und unmittelbar am Spielgelände der Kinder ihren Einflugbereich hatten, war eine Umsiedlung ratsam.
Am 3. Juli war es dann soweit, die Umsiedlung sollte stattfinden. Leider hatte ich gerade keinen funktionstüchtigen "Staubsauger" (ist kein handelsübliches Gerät!) für meine für die Hummeln ungefährliche Absaugeinrichtung, sodass ich eben auf alt bewährte Mittel wie dem Käscher zurückgreifen musste.
Übrigens: Eine Umsiedlung von Niststätten artgeschützter Tiere (zu denen auch die Hummeln zählen) ist nur mit einer Ausnahmegenehmigung von der Naturschutzbehörde erlaubt! Dies sollte unbedingt beachtet werden sowie nötige Kenntnisse vorhanden sein!
Kindertagesstätte; das Hummelnest befindet sich direkt rechts neben der Metallleiter
Einfluglöcher der Baumhummeln in die Holzverschalung
Nesteingang
Nachdem die untere Bretterverschalung abgeschraubt und das darin befindliche Dämmmaterial schichtweise abgetragen wurde, konnte schließlich auch das Nest freigelegt werden.
Nest Teil 1 (zur Vergrößerung Bild anklicken)
Jedoch fiel mir auf, das auf diesem Nest keine Königinnenkokons zu sehen waren und nur relativ wenige Arbeiterinnen sowie einige Jungköniginnen herumkrabbelten. Weiterhin flogen Arbeiterinnen von diesem Nest ab und wieder in die Dachverschalung ein. Ich schaute nun nochmal genauer in der Dämmung der Dachverschalung nach und fand nicht weit vom Standort des ersten Nestes entfernt das richtige Baumhummelnest. Es war deutlich größer und voller Königinnenkokons. Zudem fand ich auf diesem Nest die Altkönigin und weitere Geschlechtstiere. Mit dem Herausheben des Nestes flogen zahlreiche Arbeiterinnen zur Verteidigung ab und machten dem temperamentvollen Ruf der Baumhummel alle Ehre. Zum Glück hatte ich meinen Imkeranzug, sonst wäre eine Umsiedlung nicht möglich gewesen. Das geborgene Nest setzte ich nun unter Protest der Wächterinnen in den Nistkasten zu dem zuvor geborgenen Nest. Wahrscheinlich handelte es sich um zwei einzeln gegründete Nester, wobei ein Volk sich durchsetzte und die Königin des anderen Volkes tötete. Dieses wurde anscheinend daraufhin drohnenbrütig, was die zahlreichen Drohnenkokons in dem zuerst geborgenen Nest erklärte. Da sich die Arbeiterinnen jedoch nun gut vertragen haben und beide Nester betreuten, habe ich die Nester auch wieder zusammen in einem Nistkasten umgesetzt.
2., großes Nest mit Königinnenkokons und zahlreichen Verteidigungstieren (rechtes Bild) (zur Vergrößerung Bild anklicken)
Zudem konnten von dem großen Nest noch weiter Wabenstücke geborgen werden, sodass der Umsiedlungskasten nach der Bergung aller lebenden Nestbestandteile fast völlig ausgefüllt war. Das Nest war wirklich riesig. Nebenbei wurden ständig mit dem Käscher weitere Arbeiterinnen abgefangen. Das Abfangen der Arbeiterinnen war sehr zeitaufwendig. Insgesamt wurden über 100 Arbeiterinnen sowie einige Jungköniginnen geborgen und abgefangen. Vorsichtshalber schaute ich nochmals in der Polsterwolle nach weiteren Nestteilen. Plötzlich fand ich ein weiteres großes, aber unbewohntes Nest. Es scheint vom Vorjahr zu sein. Bei weiterem Suchen fand ich noch zwei weitere, ebenfalls sehr große Nester aus Vorjahren. Anscheinend hat hier schon seit etwa 4 Jahren jedes Jahr eine Baumhummelkönigin ein Nest gegründet und war dabei auch sehr erfolgreich. Da es sich bei allen Nestern um Baumhummelnester handelt, dürfte dieser Neststandort seit gut 3 Jahren von Rückkehrerinnen jeweils eines Vorjahresnestes bezogen worden sein. Das erste Nest dürfte 2002 bezogen worden sein und seither ist jedes Jahr eine Baumhummelkönigin erfolgreich gewesen. Warum erst jetzt an diesem Neststandort der Flugverkehr aufgefallen ist und nicht schon viel früher, kann ich nicht erklären.
Erst am späten Abend waren auch die letzten Arbeiterinnen gefangen. Zudem habe ich noch Zuckerlösung in den Nistkasten eingebracht, damit die Tiere die Umsiedlung besser überstehen. Am nächsten Morgen wurde das Nest an einen geschützten Ort in einen Wald gebracht und dort in einer Astgabel aufgehängt. Daraufhin wurde endlich der Nesteingang geöffnet und es dauerte nicht lange, bis die ersten Arbeiterinnen den Nesteingang verließen und einen herrlichen Orientierungflug vorführten. Kurz darauf kamen auch die ersten Arbeiterinnen von ihren Orientierungsflügen zurück und flogen bereits zielstrebig in den Nistkasten ein. Die Umsiedlung war also geglückt!
Nest am neuen Standort (zur Vergrößerung Bild anklicken)