Lebensweise

 

1.Zyklus     

 

Die Hornisse ist die größte heimische staatbildende Wespe in Mitteleuropa (Königinnen bis 3,5 cm, Arbeiterin bis 2,5 cm, Drohn bis 2,7 cm), welche unter Naturschutz steht. Hornissen leben sozial, dass heißt in einer festen Gesellschaft wie Hummeln und die anderen staatenbildenden Wespenarten. Die Staats-gründung verläuft ähnlich wie bei den Hummeln oder Wespen. Im Frühjahr, etwa im Mai, erwachen die Jungköniginnen aus ihrer Diapause zu neuem Leben. Als ersten suchen sie nach einer Nahrungsquelle, wie einem alten Baum, wo an frischen Bruchstellen süßer Baumsaft herausquillt. Dieser wird von der Königin aufgeleckt. Findet sie keine solchen Stelle, nutzt sie ihre starken Kieferwerk-zeuge (Mandibeln), um die Rinde oder junge Triebe aus eigener Kraft aufzubeißen, wobei ebenfalls Baumsaft austritt. Auch benötigt eine angehende Hornissenkönigin Eiweiß zur Aktivierung ihrer Eierstöcke, was sie in Form von Fliegen oder anderen Insekten zu sich nimmt. Dermaßen gestärkt, sucht sie nach einem geeigneten Platz für die Nestgründung. Dabei suchen Königinnen intensiv nach Baumhöhlen und anderen oberirdischen Höhlungen. Gelegentlich nutzen sie dabei auch menschliche Behausungen, da die Anzahl morscher Bäume, welche viele Hohlräume aufweisen, drastisch zurückgegangen ist. Hat eine Hornissenkönigin einen passenden Platz gefunden, baut sie aus einer papierähnlichen Substanz -bestehend aus abgeschabtem, stark verwitterten Holz von Bäumen, vermischt mit chitinhaltigem Speichel - die erste Wabe,

 

junges Nest Anfang Juli

 

  

Die Arbeiterinnen nehmen der Königin alle Aufgaben ab, sodass die Kolonie nun

rasch an Größe zulegt...

 

selbst bestehend aus nur wenigen Zellen (meist etwa 40-50 Zellen). Diese ersten Zellen bestückt sie mit je einem Ei, welches am oberen Rand der Zelle festgeklebt wird. Nach fünf Tagen schlüpfen die ersten Larven und verlangen nun Futter in Form von tierischem Eiweiß. Die Königin ist nun ständig mit der Jagd nach Kleininsekten beschäftigt, um die hungrigen Larven versorgen zu können. Das ist für die Königin mit riesigen Anstrengungen und Gefahren verbunden. Viele Hornissenköniginnen überleben diese erste Zeit nicht, vor allem, wenn es zu Kälterückfällen kommt. Doch nun weiter zu den Larven. Diese durchlaufen in den nächsten 13-14 Tagen ihr Larvenstadium und bauen daraufhin einen Seidendeckel über ihre Zelle. Nach weiteren 13-15 Tagen, also rund 5 Wochen nach der Eiablage, schlüpfen die ersten Arbeiterinnen, welche anfangs mit ihrem Kopf wieder in die Zelle kriechen. Das hat auch einen tieferen Sinn, denn da die Arbeiterinnen erst noch etwa 2-3 Tage im Nest verbleiben, um ihre Flügel aushärten zu lassen sowie zur vollständigen Ausfärbung, wärmen sie auf diese Weise die benachbarten Zellen mit und fördern somit auch deren Entwicklung. Die Entwicklung der Larven beschleunigt sich mit dem Vorhandensein erster Arbeiterinnen durch die bessere Versorgung. Das Wachstum des Volkes geht nun rasch voran und das gelblich bis braun gefärbte Nest wächst um mehrere Etagen. Ab Ende Juli, spätestens aber im Laufe des Monats August, werden dann nur noch größere Zellen gebaut, welche für die Aufzucht von Jungköniginnen und Drohnen vorgesehen sind. 

Im Sommer wird zudem oft nur wenig Arbeit in die Schutzhülle investiert (nur an kalten Tagen), wodurch der Wabenbau teils noch frei zu sehen ist. Erst etwa Anfang August wird die Schutzhülle massiv erweitert, sodass etwa Ende August das gesamte Nest mehrfach umhüllt ist. Die Struktur der Hülle ist dabei muschelförmig, wie bei den Vespulen (Deutsche und Gemeine Wespe).

Ab August wachsen nun in den Großzellen Geschlechtstiere heran, welche ab September schlüpfen. Zu diesem Zeitpunkt (Höhepunkt) können bei starken Kolonien etwa 500-700 Hornissenarbeiterinnen einem Nest angehören. Diese schaffen unermüdlich Eiweißnahrung  für den Nachwuchs heran. Proteinnahrung benötigen allerdings nur die Larven und Königinnen zur Aktivierung der Eierstöcke. Die ausgewachsenen Arbeiterinnen und auch die Drohnen

ernähren sich dagegen von Baumsäften und Nektar. Baumsäfte werden von Arbeiterinnen ebenso gesammelt und im Nest weitergegeben. Auch die Larven selbst können mit den Mandibeln angeregt werden, einen süßen Saft abzusondern, welchen die erwachsenen Tiere auflecken. Gerade bei Schlechtwetterperioden, wenn Ausflüge nicht möglich sind, ist dies eine notwendige Nahrungsquelle. Wenn die Drohnen und

Jungköniginnen schlüpfen, beanspruchen gerade die

Jungköniginnen einen Großteil der eingetragenen

Altkönigin auf der untersten Wabe, die ersten Geschlechtstiere sind geschlüpft...

 

  

Jungköniginnen schlüpfen im Laufe des Septembers, ebenso die Drohnen

 

 

Nahrung. Gerade gegen Ende der Saison ist die Versorgung der Larven dadurch nicht mehr vollständig

gewährleistet, welche zudem auch von den  

Geschlechtstieren angeregt werden, die oben angesprochene süße, proteinreiche Flüssigkeit abzusondern. Da sie aber zugleich unzureichend gefüttert werden, sterben immer mehr Larven im Laufe des Septembers und Oktobers und werden von den

Arbeiterinnen aus dem nest geworfen. Teils werden gegen Ende der Saison auch lebende Larven aus dem Nest entfernt, um die Nahrungsversorgung der geschlüpften Geschlechtstiere anzupassen. Auch die Altkönigin wird nun immer mehr vernachlässigt und stirbt schließlich, erschöpft vom vielen Eierlegen, im Laufe des Septembers. Gelegentlich halten einige kräftige Königinnen auch bis in den Oktober hinein durch. Die Jungköniginnen, welche nun in den Wochen von September bis Oktober schlüpfen, bleiben etwa 5-7 Tage im Nest und fressen sich dabei die für die Überwinterung nötigen Fettreserven an. Auch die Drohnen bleiben einige Tage im Nest und fressen sich voll. Einige Drohnen wollen dabei das Nest scheinbar garnicht so recht verlassen und werden später sogar gewaltsam aus dem Nest getrieben, damit sie nicht als unnütze Vielfresser zur Last fallen. Vor allem gegen Ende der Saison, wenn die Nahrungsversorgung immer

schwerer wird, kann dies gehäuft beobachtet werden. Verletzungen ziehen sich die nesteigenen Drohnen dabei aber in der Regel nicht zu. An warmen Herbsttagen verlassen die Geschlechter das heimische Nest, zu welchem sie nicht mehr zurückkehren. Es erfolgt die Verpaarung. Verlässt eine Jungkönigin das Nest, so erfolgt die Paarung fast immer noch am gleichen Tag. Daher verlassen die Jungköniginnen vor allem am Vormittag und gegen Mittag das Nest, damit noch genügend Zeit bleibt, einen Partner zu finden. Eine Jungkönigin verpaart sich meist nur mit einem Drohn, vereinzelt auch mit 2-3 Männchen. Ein Hornissendrohn selbst kann sich im Gegensatz zu den Drohnen von Honigbienen mehrfach paaren, ohne zu sterben. Drohnen versuchen auch oft, an fremden Nestern Königinnen gleich am Nest abzufangen. Das ist aber oft ein gefährliches Unterfangen, da die Arbeiterinnen fremde Drohnen aggressiv attackieren und nicht selten verletzen oder töten, wenn sie diese beim Nestanflug erwischen. Daher findet man bei starken Nestern nicht selten viele tote Drohnen unter dem Nest liegen. Oft aber schaffen es die Drohnen auch, paarungswillige Jungköniginnen am Nest abzufangen. Im Laufe des Oktobers wird es dann immer ruhiger im Hornissennest. Die Nahrungssituation wird immer schwieriger, die Brut kann nicht mehr versorgt werden, letzte Geschlechtstiere verlassen das Nest. Da die Arbeiterinnen nur 4-8 Wochen alt werden und auch kein Nachwuchs mehr folgt, sterben die Nester spätestens im November ab. Nur die begatteten Jungköniginnen, welche sich nach der Paarung oft

Verpaarung, links die Königin, rechts der Drohn

noch am selben Tag ein Winterquartier suchen, überdauern den Winter. Die Drohnen sterben mit den immer kälter werdenden Nacht-temperaturen ebenfalls spätestens im Laufe des Novembers.

 

Die Hornissen können ein unterschiedlich gefärbten Thorax besitzen. Man unterscheidet 2 deutliche Farbvarianten voneinander, die aber auch in einem Nest gemeinsam vorkommen können. Bei Vespa crabo crabro fehlt die bei Vespa crabro germana deutlich vorhandene rote V-Zeichnung auf dem Thorax. Zwischen diesen beiden Farbformen gibt es noch zahlreiche Übergangsformen.

 

Zum Thema: Entwicklung eines starkes Nestes in einem Schuppen (2009)!

 

 

2.Verhalten

 

Hornissen sind vom Verhalten her sehr friedfertig. Außerhalb des Nestbereiches versuchen sie, jedem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Bei einem Nest sollte man jedoch einen Sicherheitsabstand von 5 Metern beachten und einhalten. Bei vorsichtigem Verhalten ist sogar eine Beobachtung in direkter Nestnähe möglich. Dabei sollte man bestimmte Regeln beachten:

- nicht die Flugbahn verstellen
- Anatmen der Tiere vermeiden (reagieren auf den Kohlendioxidanstieg der Ausatemluft)
- keine heftigen Bewegungen
- Wabenbau nicht erschüttern

- Nest nicht berühren

 

Hornissen sind also doch recht friedlich und greifen nie ohne Grund an. Es muss auch nicht befürchtet werden, dass Hornissen, wie bei Deutscher- / Gemeiner Wespe bekannt, am Kaffeetisch ihren Hunger stillen. Wenn man einige Regeln beachtet, lassen sich Hornissen auch in Nestnähe beobachten und sind gleichzeitig friedliche Nachbarn. 

 

 

3.Wissenswertes

 

Hornissen können als einzigste wildlebende, heimische staatbildende Insektenart Migrationsnester gründen. Das heißt, dass Hornissen in bestimmten Fällen woanders ein neues Nest bauen können. Als Hauptgrund dafür kann man Platzmangel anführen, weil beispielsweise der Nistraum bei der Nestgründung zu klein gewählt oder das Nest unterirdisch angelegt wurde. Hornissenköniginnen nutzen für die Staatsgründung meist kleine Hohlräume wegen eines speziellen Mikroklima, welches so leichter aufrecht erhalten werden kann.

 

 

Hornissenköniginnen gründen gerne ihre Nester in kleinen Vogelkästen (siehe Bild oben), da diese Nisträume besser überschaubar und auch temperierbar sind. Allerdings werden die Nisträume später oft zu klein. Entweder kommt es zur Migration, wie oben angesprochen, oder aber die Tiere bauen außen weiter, wie es im Fall auf dem rechten Bild dargestellt ist. Diese Nester sind aber anfälliger gegen Witterung und Feinde, allerdings ist kein grundlegender Neubau notwendig.

 

 

Zum Thema:

Bildergalerie zur Entwicklung eines Hornissenvolkes, dass durch Migration (Umzug) in einem Hochstand (2004) errichtet wurde.

In dem selben Hochstand gab es einige Zeit später eine weitere Migration (2006). Auch im Jahr 2008 fand in der Nähe eine weitere Migration statt.

 

Ein starkes Hornissenvolk fängt übrigens bis zu 500 g Insekten pro Tag! Allein darin zeigt sich die Bedeutung der Hornisse in einem gesunden Ökosystem.

 

© Michel Oelschlägel

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