Lebensweise von Wespen1.Jahreszyklus
Wespen haben eine ähnliche Entwicklung wie die Hornisse, die größten heimischen sozialen Faltenwespe. Doch gibt es hier 3 verschiedene Gattungen in Deutschland. Die Langkopfwespen (4 Arten), welche recht friedfertig sind, die sehr verteidigungsbereiten Kurzkopfwespen (3 Arten mit einer Ausnahme) und die Feldwespen (4 Arten).
links eine Norwegische Wespe (Dolichovespula norwegica, Königin) bei der Nahrungsaufnahme und rechts ein Anfangnest von Dolichovespula saxonica (beides Langkopfwespen)
Die Langkopfwespen (Namenserklärung folgt bei Wespenarten) haben dabei den kürzesten Lebenszyklus. Ihre Staaten werden im Mai von einer einzelnen überwinterten Königin begonnen und existieren bis August/September. Die Nesthülle wird bei dieser Gattung in der Regel ohne Lufttaschen erbaut und erscheint daher recht flach. Die Nester haben meist eine graue Färbung, bestehen nur aus 2 bis 6 Wabenetagen und werden frei (lichtliebende Arten) an einem Ast, in einem Strauch oder an einer Haus- / Felswand aufgehängt. Eine Ausnahme ist die Sächsische Wespe, die auch gerne an dunkleren Orten wie auf Dachböden und in Schuppen nistet. Auch Waldwespen findet man mitunter in Erdhalbhöhlen (siehe Bildergalerie dazu) oder selten auch in Erdnestern.
Nest der Mittleren Wespe, ein typischer Freinister
Beispiel für eine Langkopfwespe (siehe Kiefern-Augenabstand) - hierbei handelt es sich um eine Königin der sächsischen Wespe
Ebenfalls eine Königin der Sächsischen Wespe, hier beim Nestbau...
Anders bei den Kurzkopfwespen (Namenserklärung folgt bei Wespenarten). Während auch hier der Staat durch eine Königin im Frühjahr (April - Mai) gegründet wird, halten sich diese Völker aber meist bis in den Spätherbst, gelegentlich auch bis in den Winter hinein. Die Hülle dieser Nester ist stark strukturiert, immer muschelartig und das Nest selbst wird meist unterirdisch oder in dunklen oberirdischen Hohlräumen angelegt (eine Ausnahme diesbezüglich stellt dieses Nest dar). Dabei sind die Nester bei zwei Arten dieser Gattung grau gefärbt, bei einer Weiteren dagegen ockerfarben bis gelblich, ähnlich wie bei Hornissennestern. Das Nest enthält oft viele Kleinzellenwabenetagen und weitere Großzellenetagen (insgesamt bis zu 13 Waben). Durch die große Volksstärke (1000 bis 10000) können diese Arten oftmals dem Menschen lästig werden und dabei auch als einzigste Gruppe der Familie am Essenstisch angetroffen werden. Es ist die Gattung, die wohl den schlechten Ruf über alle Wespenarten gebracht hat. Dabei ist diese Gattung aber auch sehr nützlich, denn solch große Völker fangen Unmengen an
großes, oberirdisches Nest der Gemeinen Wespe
Nesteingang zu einem Erdnest der Gemeinen Wespe
Die Feldwespen leben neben diesen Arten noch sehr primitiv. Die Völker werden durch eine Königin gegründet, zu welcher sich aber noch weitere Vollweibchen gesellen können, welche dann wiederum gemeinsam einen Staat aufbauen. Dabei gibt es unter diesen Königinnen aber eine feste Rangordnung. Das ranghöchste Weibchen legt die Eier, während sich die Unterlegenen als Arbeiterinnen betätigen. Stirbt das ranghöchste Weibchen, tritt das nächst höhere Tier an deren Stelle. Die Nester entwickeln sich vom Mai bis in den September/Oktober. Sie bestehen nur aus einer Wabe und haben keine Schutzhülle wie bei den vorher beschriebenen Gattungen. Die Volkstärke beträgt meist nur 20-30 Tiere, wobei Königin und Arbeiterinnen fast identisch groß sind (im Gegensatz zu den anderen Gattungen mit deutlichen Kastenunterschieden). Man findet die Nester (artabhängig) an offenen Stellen frei an Pflanzenstängeln oder in geschützten Hohlräumen, wie nicht zu dunkelne Felshöhlen oder Dachböden. Im Herbst schlüpfen die Geschlechtstiere, wobei auch hier durch den großen Nahrungsbedarf der Königinnen und Drohnen zu wenig Arbeiterinnen vorhanden sind. Daraufhin sterben auch hier die alte Königin und die Larven sowie nach dem Ausschwärmen der Geschlechtstiere auch die Arbeiterinnen ab.
Voll-Weibchen von Polistes dominulus
2.Verhalten
Wespen sind aufgrund ihres schlechten Rufes wohl mit die unwillkommensten Insekten überhaupt. Doch ihre Aggressivität wird im Volksglauben deutlich überschätzt. Wespen sind harmlos, solange man sie nicht drückt, festhält oder ihr Nest belästigt. Sie verteidigen sich nur bei Notwehr oder zum Schutz ihres Nestes (mit Nachkommen und Königin). Dabei verhalten sich eben die Kurzkopfwespen (nur Deutsche- und Gemeine Wespe) sehr verteidigungsbereit und lassen sich vor allem im Nestbereich schnell reizen. Es sind auch diese beiden Arten, die dem Menschen beim Essen auf Terrasse und Balkon oder in Konditoreien lästig werden können. Dennoch sind bei vorsichtigem Umgang auch solchen Arten verträglich, wobei sie ja aufgrund ihrer hohen Volkstärke dafür auch viele Schädlinge vertilgen. Die anderen heimischen Arten sind selbst im Nestbereich recht friedlich und lassen sich wie die Hornisse nie auf dem Esstisch blicken. Dabei können die Drohnen, wie bei allen Hautflüglern, nicht stechen, während die Königinnen, wie die Arbeiterinnen, stechen können!
3.Wissenswertes
Wespen sind wie Hornissen Meister der Baukunst. Als Baumaterial wird stark verwittertes (gelbe Nestfärbung) oder oberflächlich verwittertes (graue Färbung) Holz verwendet. Dabei sucht jede Art das für sie charakteristische Holz, wodurch auch die jeweilige charakteristische Nestfärbungen zustande kommen. Mit den Fühlern werden die Abstände der Lufttaschen oder Hüllen genau bemessen und mit den Kauwerkzeugen (Mandibeln) wird Schicht für Schicht aufgebaut. Um ein großes Nest im Herbst aufgebaut zu haben, sind tausende Materialflüge notwendig.
© Michel Oelschlägel