Migration eines Hornissennestes
Am 4.8.2004 erreichte mich der Anruf eines Jägers, welcher ein Hornissennest bei einem Kollegen meldete. Nachdem ich den Kollegen angerufen hatte, konnte ich mir am Nachmittag die Sache einmal ansehen. Mir wurde gesagt, dass dieses Nest erst seit 2 Wochen an seinem derzeitigen Standort, einer Jägerkanzel, war. Bei näherer Betrachtung des Nestes wurde meine Vermutung bestätigt. Ein Hornissenvolk ist zu diesem Standort umgezogen. Scheinbar ist es dem Ursprungsnest in seiner alten Behausung zu eng geworden. Diese Migrationen oder Filialbildungen sind typisch für die Hornisse. Somit hat sich eine interessante Beobachtungsmöglichkeit ergeben. Ich werde jetzt jede Woche einmal Bilder machen und diese dann hier dazufügen (zur Bildvergrößerung dann einfach auf das jeweilige Bild klicken).
4.8.2004: Das Nest besteht aus 2 Wabentellern. Derzeit sind etwa 30 Tiere am Nest. Wieviele beim Umzug noch eintreffen werden, lässt sich noch nicht sagen. Zumindest die Königin ist bereits unter den Nestinsassen und bestiftet die noch leeren Zellen.
12.8.2004: Das Hornissennest wurde stark erweitert. Es besteht aus 3 Wabenetagen und besitzt nun auch eine ausgebaute Hülle. Das Volk besteht aus etwa 60 Tieren. Ständig schaffen die Arbeiterinnen Baumaterial und Nahrung heran.
19.8.2004: Das Nest besteht nun aus 4 Wabenetagen und ist knapp 30 cm breit und 30 cm lang. Vermutlich gehören etwa 100 Arbeiterinnen dem Nest an. Mittlerweile werden auch die ersten Großzellen für die Geschlechtstiere gebaut.
26.8.2004: Das Hornissenvolk wächst und gedeiht. Der über 40 cm lange Bau beherbergt nun mehr als 100 Arbeiterinnen.
3.9.2004: Weiterhin keine sonderliche Veränderung, das Nest (knapp 50 cm) wächst weiterhin und die Volkstärke nimmt zu.
10.9.2004: Die Nesthülle wurde nach den ersten kühlen Nächten stark ausgebaut. Zudem scheint das Volk stark angewachsen zu sein. Die Länge des Nestes beträgt 70 cm. Damit ist es um ca 20 cm innerhalb von einer Woche gewachsen. Im Nest dürften nun 300 Arbeiterinnen leben.
17.9.2004: Die Nestgröße hat sich kaum verändert, aber ich konnte heute die ersten Geschlechtstiere beobachten. Drohnen ließen sich hin und wieder auf der Nesthülle blicken. Das Volk hat zwischen 300 und 400 Bewohner. Ständig wird Baumaterial oder Nahrung herangeschaft. Unter dem Nest liegen zudem tote Larven, ein Ereignis, dass im Herbst bei allen Horissenvölkern zu beobachten ist.
24.9.2004: Trotz kalt-nasser Witterrung wird bei den Hornissen fleißig geflogen. Nur die Geschlechtstiere sitzen im wärmenden Nest und warten auf besseres Wetter. Da jedoch immer noch Eier gelegt werden, scheint die Königin noch am Leben zu sein. Die Nestgröße stagniert sein nun schon 2 Wochen. Damit ist der Höhepunkt dieses Volkes erreicht.
1.10.2004: Der Großteil der Königinnen und Drohnen ist bereits abgeflogen. Dennoch finden sich einige Geschlechtstiere im Nest. Die Volkstärke nimmt jedoch ab, Larven und Eier, die vorige Woche noch in den Waben waren, sind gefressen oder aus dem Nest geworfen worden. Ein deutliches Zeichen für den Niedergang dieses Volkes. Nur noch in den oberen Stockwerken herrscht Leben. Auch wird der Nestbau weiterhin vernachlässigt, sodass das mittlerweile beschädigte Witterungsdach nicht mehr repariert wird.
7.10. 2004: Die Volkstärke und damit auch der Flugbetrieb nimmt weiter ab. Es sind nur noch einige Drohnen und Arbeiterinnen im Nest zu beobachten. Zudem beginnt bei der kühlen und nassen Witterung das Nest mehr und mehr zu zerfallen. Fast 10 cm der unteren Nesthülle sind bereits Stückweise in den vergangenen Tage herabgefallen. Sicherlich trägt dazu auch die Verschmutzung dieses Nestbestandteils durch den Kot der Hornissen bei (siehe Bilder von letzter Woche).
14.10.2004: Das Nest ist so gut wie abgestorben. Tote Hornissenarbeiterinnen liegen zahlreich unter dem Nest. Sicherlich hat zu dem raschen Absterben auch die kalte, frostreiche Witterung der letzten Tage beigetragen. Die Nesthülle ist teilweise schon zerfallen, wobei durchaus auch Fremdeinwirkung durch eine Vogel zu der starken Beschädigung des Nestes an seiner rechten Flanke beigetragen haben kann. Da das Nest abgestorben war, habe ich es sorgfältig entfernt und nach Hause mitgenommen. Mit diesem Eintrag endet auch dieses Entwicklungstagebuch dieses Hornissenvolkes. Das Nest bestand übrigens aus 8 Wabenetagen, wie sich daheim herausstellte.
© Michel Oelschlägel